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Zu Besuch in Alanya

Panorama-Alanya

Der Name Alanya geht auf folgende Begebenheit zurück: Das von unzähligen Baudenkmalen der Osmanen geschmückte Alaiya wurde in einem Telegramm an den großen Führer Atatürk fälschlich Alanya genannt, worauf der flexible Staatsmann meinte: Wenn es so ist, dann soll diese sympathische Stadt in Zukunft auch Alanya heißen.
Der moderne Tourismus wurde durch eine Zufallsentdeckung und den Weitblick eines Mannes begründet: 1948 wurde bei Hafenarbeiten die Damlatas-Höhle entdeckt. Die ersten Untersuchungen leitete ein Bürger Alanyas, Galip Dere. Dieser hatte aus Deutschland von der heilenden Wirkung der Höhlenluft gehört und ließ entsprechende Untersuchungen durchführen, die die heilende Wirkung auf das Atmungssystem betätigten. Er erhielt die Erlaubnis, den Eingangsbereich zu vergrößern und Gewölbe anzulegen. Anschließend sandte er Fotos an Zeitungen in der ganzen Türkei. Damit ist Galip Dere der eigentliche Begründer der touristischen Tradition in Alanya, der längsten an der türkischen Mittelmeerküste.
Alanya ist bei Deutschen sehr beliebt. Im Stadtgebiet findet man fast überall deutsche Beschilderungen und deutsch sprechende Türken. In Alanya lebt die größte Anzahl deutscher Aussiedler in der Türkei (etwa 10.000).
Als einzige Stadt der Türkei verfügt Alanya über einen Ausländerbeirat, der sich aus freiwilligen Mitgliedern verschiedener Nationen zusammensetzt.
Sehenswertes
Es gibt im Fels des Burgberges von Alanya neben der oben beschriebenen Damlatas-Höhle mehrere kleinere Höhlen, die jedoch nur vom Meer aus zugänglich sind.
Die Piratenhöhle:
Wie der Name schon sagt, werden über diese Höhle, die auch "Mädchenhöhle" genannt wird, die wildesten Geschichten erzählt. Piraten sollen hier ihre Beute versteckt haben, wenn sie von See kamen, um sie später auf der Festung zu verbergen. Auch sollen sie der Legende nach hier geraubte Damen versteckt haben, die nur durch ein hohes Lösegeld wieder frei kamen.
Mit einem Ruderboot kann man in das Innere der Höhle fahren, die, so wird erzählt, durch einen Geheimgang mit der Burg verbunden gewesen sein soll. Leider wurde dieser Geheimgang nie gefunden und es ist bis heute fraglich, ob es ihn jemals gegeben hat.
Die Phosphorhöhle:
Diese kleine Höhle befindet sich an der Westseite des Burgfelsens. Fährt man mit dem Boot in diese Höhle hinein, erzeugen die Wellen in Verbindung mit dem Licht einen phosphoreszierenden Eindruck im Wasser. Die Höhlenwände enthalten Phosphor. Dieses Spiel der Natur macht den Eindruck, daß die Höhle bei Dunkelheit erleuchtet ist, daher erhielt die Höhle ihren Namen.
Die Liebeshöhle:
Am äußersten Süden der Felsnase befindet sich diese Höhle. Der Eingang ist so groß, daß ihn ein Mensch betreten kann. Sie soll Liebespaaren als Geheimtreff gedient haben, daher hat man ihr diesen Namen gegeben. Die Höhle ist ca. 70 Meter lang und führt durch den Berg. Bei den Besichtigungstouren per Gulet wird ein Teil der Besatzung hinüberschwimmen (Gäste sind herzlich eingeladen), durch die Höhle laufen und auf der anderen Seite, in ca 12 m Höhe, auf das Schiff warten, um sich von da oben in die Fluten zu stürzen.
Höhle der Mädchenspalte:
Am steilen Abhang des Burgfelsens, direkt am Fuße des Burgfelsens, liegt diese Höhle. Den Namen erhielt sie von der dunklen Öffnung. Sie liegt in unmittelbarer Nähe des Ostturms an seiner Westseite.
(Fotos siehe Bootstrip Alanya)

Die Besiedlung des Landkreises von Alanya, oder Alaiye geht zurück auf die uns bekannten Epochen. Skelettfunde in der Kadiini-Höhle deuten auf eine Besiedlung um 1800 vor Chr. Damals gehörte Alaiye je zur Hälfte zu Kiliken und zum sehr rassistischen, kategorischen Reich Pamphyliens. Im 14 Jh. v .Chr. töteten Hethiter ca. 6.000 Einwohner und besiedelten den gut geschützten Landstrich. Alanya nannte sich von nun an Korakesion (= Rabenhorst). Als 224 v. Chr. Antiochus der Große ganz Kelikien besetzte, wurde Alanya verschont. Im zweiten Jahrhundert v. Chr. war es eine Basis kilikischer Piraten. Der Piratenhäuptling Diototus Tryphon erbaute eine Festung. Die Piraten wurden schließlich 67 v. Chr. durch Pompeius besiegt. In byzantinischer Zeit hieß der Ort “kalon oros”, schöner Berg. 1221 nahm Alaeddin Keykubad I die Stadt ein. Die Eroberung von Alanya durch die Osmanen erfolgte unter Sultan Fatih Mehmet. Der Name der Stadt stammt aus dem 13. Jahrhundert, von Ala-iye, Stadt des Ala. Da die Stadt im 13. Jahrhundert als Winterresidenz des seldschukischen Sultan Alaeddin Keykubad benutzt wurde, hieß die Stadt ab dann nach dem Namen des Sultans, „Alaiye“. In lateinischen Quellen heißt die Stadt meist Alaya.

Die Festung
Dieses wahrlich imposante Bauwerk ist, neben dem "Roten Turm", das beeindruckende Wahrzeichen der Stadt Alanya und seiner Umgebung. Sie ist eine der Festungen, die in Anatolien mit am besten erhalten ist. Mit ihrer gut erhaltenen Festungsmauer und den Zinnen umfaßt sie die Halbinsel und verleiht ihr gleichzeitig ein Flair von Abenteuer und Geschichte. Da die Felsen, auf denen die Burg erbaut wurde, weder von See noch von Land leicht zugänglich sind, war sie in ihrer gesamten Geschichte immer bewohnt.
Erstmals wurde das Gebiet der heutigen Festung in der hellenistischen Zeit von einer Mauer umbaut. Doch die eigentliche Festung, so wie wir sie heute bestaunen, wurde von den Seldschuken erschaffen, ebenso wie die Werft.
Die äußere Stadtmauer beginnt beim "Roten Turm". Der "Rote Turm" war früher der Eingang zur Festung. Die Mauer erstreckt sich über eine Gesamtlänge von 6.500 Metern. An gut plazierten Stellen innerhalb der Festungsmauer erheben sich Türme und Scharten, aus denen auf angreifende Feinde heißes Öl gegossen wurde. Die Rampen verschafften den Soldaten mehr Bewegungsfreiheit bei der Verteidigung der Burg. Insgesamt gibt es 140 Türme in der Mauer. Da die eigentliche Festung nur über einen steilen Anstieg zu erreichen war, konnte man sich eine zusätzliche Mauer sparen, da Feinde kaum die Möglichkeit hatten, die Festung unbeschadet zu erreichen. Die Mauern und Türme wurden aus Stein und Mörtel errichtet (Backstein mit Kalk) und waren sehr widerstandsfähig gegen Wurfgeschosse und Rammbalken.
Innerhalb der Festung gibt es über 400 Zisternen. So war die Wasserversorgung im Falle einer lang anhaltenden Belagerung gesichert.
Man betrat die Burg durch die großen bogenförmigen Eingangstore, die meisten davon sind auch heute noch in einem guten Zustand.
Im Hinblick auf die sichtbaren Burgmauern kann man die Burg in drei Abschnitte unterteilen:
1. Iç Kale - Innere Festung:
Hier befinden wir uns auf dem höchsten Punkt des Felsens. Die Festung ist von hohen Wällen zur Verteidigung umgeben. Hier finden wir den Sultanspalast, eine Baracke, Schulen und eine aus dem 11. Jahrhundert stammende byzantinische Kirche. 
2. Orta Kale (Burg) - die Mittlere Festung:
Das ist der Teil, der von Ehmedek, Arap Evliyasi und den Wällen der Äußeren Festung umgeben ist. Hier können wir die Aksebe Moschee, das Mausoleum, das öffentliche Bad, den Ehemedek Gebäudekomplex, die Süleymaniye Moschee, den Marktplatz (Bedesten), die Herberge und die byzantinische Kirche (Arap Evliyasi) besichtigen.  Innerhalb dieser Kirche sind noch einige Fresken erhalten geblieben. Gleich hinter der Kirche steht die Kaserne, durch die das Betreten und Verlassen der Innenburg möglich war.
3. Diş Kale - Äußere Festung:
Zu diesem Terrain gehören die Wälle, die sich vom Ehmedek, Arap Evliyasi, Ostturm und Tophane (Geschützgießerei) bis hin zum Roten Turm ziehen. Alle charakteristischen Eigenschaften einer antiken Stadt sind in der Festung von Alanya vereinigt; kleine und große Moscheen, Zisternen, Marktplätze und Badehäuser. Sie erzählen uns vom Leben auf dieser Burg und geben uns einen Einblick in die Bauweise der damaligen Zeit.
Die heute noch vorhandenen Wohnhäuser zeigen den Gästen, wie man im 19. Jahrhundert gebaut hat. Leider sind viele der schönen alten Häuser in einem renovierungsbedürftigen Zustand. Dennoch fühlt man sich beim Anblick der alten Häuser, der Ruhe und dem Blick über Alanya und das Meer in alte Zeiten versetzt.

Zu einem Alanya-Besuch gehört selbstverständlich auch der freitägliche Bauernmarkt und ein Bummel durch die vielen Gassen und Strassen zwischen Hafen und Atatürk Bulvari.
Und wer meint, als Kurzurlauber nicht länger auf deutsches Brot verzichten zu können - einfach mal einen Einheimischen fragen. Denn es gibt Dank der vielen Residenten auch deutsche Bäcker (und Metzger).

 

1 Nordbastion (Ehmedek)
2 Haupttor
3 Moschee
4 Karawanserei
5 byzantinische Kirche
6 Hauptburg (Iç Kale)
7 roter Turm (Kizil Kule)
8 Turm
9 Münze
10 Kloster
11 Schiffswerft (Tersane)
12 Leuchtturm
13 Wehrturm (Tophane)
14 hellenistische Mauer

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© Heinz-Ulrich Hartung                         letzte Überarbeitung: 07.12.2015