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Zu Fuß nach Alara han

Bereits vor unserem ersten Besuch am Incekum-Strand hatten wir den Besuch dieser Karawanserei ins Auge gefaßt. Immer nur am Strand zu liegen ist unser Ding nicht. Wir wollten immer auch die Gegend erkunden. Und da wir uns häufig einen Wagen mieteten, lag es nahe, auch diesen Ort einmal anzufahren.
Im Frühjahr 2006 waren wir dann in greifbarer Nähe (Aska Baran) und somit setzten wir dieses Vorhaben in die Tat um. Mit dem Dolmus fuhren wir bis Okurcalar und ließen uns an der Abzweigung nach Alara han absetzen. Noch 9 Kilometer! Wir marschierten los, in der Hoffnung unterwegs einen Dolmus anhalten zu können. Aber Pech! Auf dieser Nebenstrecke gab es keine regelmäßige Busverbindung. Daher hatten wir die Gelegenheit, durch eine sehenswerte Landschaft zu wandern. Vorbei an einem einsamen Friedhof, teilweise durch lichtdurchflutete Pinienwälder, mit herrlichen Ausblicken auf den Alara-Fluß. Etwa zwei Kilometer vor einem Ort hielt hinter uns dann doch noch ein Dolmus. Der Fahrer hatte allerdings Feierabend und war auf dem Heimweg. Aber die 1,5 Kilometer bis zu seiner Behausung wollte er uns (kostenfrei !) mitnehmen. Gern nahmen wir sein Angebot an. Von dort durchquerten wir den kleinen Ort Haciahmetler und erkundigten uns an einer Abzweigung (kein Hinweisschild) bei einer Bäuerin nach dem weiteren Verlauf des Weges zur Karawanserei.
Dann lag der Berg (und die Karawanserei) auch schon vor uns. Auf dem Parkplatz standen mehrere Busse von Reiseveranstaltern, die ihre Gäste hierher kutschierten (sie hatten uns auf unserer Wanderung überholt, aber nicht angehalten).
Die gut erhaltene, ca. 2000 qm große Karawanserei Alara han liegt an einer der alten Handelsstrassen durch Anatolien, unterhalb der byzantinischen Burg Alara kale. Als Karawanserei bezeichnet man die Übernachtungslager, die früher von den handelsreisenden Karawanen aufgesucht wurden. Sie wurde zwischen 1204 und 1246 von den Seldschuken errichtet, nachdem es gelungen war, den Handel durch die Eroberung Alaiyas (heute Alanya) zu kontrollieren.
In einem der Restaurants erholten wir uns erst einmal von dem langen Marsch, bevor wir uns an den steilen Anstieg zur Burg wagten, dessen Erbauer bis heute nicht bekannt ist. Auch ist man nicht sicher, wann sie erbaut wurde.
Nach der Eroberung von Alaiya kam Sultan Keykobad auf seinem Rückzug nach Antalya an dieser Festung vorbei, die zu dieser Zeit in der Hand des Bruders von Kyr Vart war. Der Sultan verlangte über eine Abordnung die Übergabe der Burg und der Bruder von Kyr Vart kapitulierte vor der Übermacht des Sultans. Diese Kapitulation stürzte ihn in tiefe Verzweiflung, er erkrankte schwer und starb kurze Zeit später.
Der Name der Burg wurde nicht geändert. Sie wurde während der Seldschukenzeit wieder aufgebaut. Der türkische Entdecker Evliya Celebi beschreibt die Burg in seinem berühmten Reisetagebuch "Seyahatname" ausführlich.
Während der Regentschaft des Sultans "Süleyman des Prächtigen" war die Burg bewohnt, wurde jedoch während der Regierung von Mehmet IV aufgegeben. Die Festung, die auch ein öffentliches Bad in ihren Mauern hatte, ist auch heute noch in einem guten Zustand. Auch Reste von Bädern und Zisternen liefern gute Ansichten für die seldschukische Bauweise.

Für uns wurde es nun wirklich anstrengend. Der Weg zur Burg führt über steinige Stufen, die nicht allzu gut befestigt sind sowie durch einen bis ins Burginnere führenden Tunnel (deshalb auch unbedingt eine Taschenlampe mitnehmen!!). Aber es hatte sich gelohnt! Der Ausblick auf das Flußtal und die Karawanserei war grandios.
Nach über zwei Stunden standen wir wieder am Fuße des Burgberges und kehrten erst einmal in einem Lokal ein (gebratene Forelle!!). Derart gestärkt besichtigten wir nun die Karawanserei “Alara han”.
Die Verkaufsstände im Gebäude (um die sich die herangekarrten Besucher drängten) beachteten wir nicht. Aber Restauration, “Museum” und Veranstaltungsräume (“Türkischer Abend”) besichtigten wir ausgiebig. Auf dem Dach dieser ehemaligen Herberge gab es einen kleinen “open air” - Verkaufsstand, der uns preiswerte Getränke offerierte.
Mit dem Betreiber konnten wir (nach Feierabend, 30 min. Wartezeit) gegen einen kleinen Obolus wieder zurück nach Avsallar fahren. Es stand zwar auch ein Taxi bereit, aber der uns genannte Preis war recht hoch und zum Handeln fehlte uns die Kraft.

Im Juni waren wir noch einmal an diesem Ort. Aber nur zum Forellenessen im “Kale Picnic”, direkt unterhalb des Burgfelsens. Ein Einheimischer, den wir im Hotel kennengelernt hatten (“Elvis”) fuhr mit uns hierher.

Auch danach haben wir Alara Han noch ein paar Mal besucht. Aber in erster Linie, um Urlaubsbekanntschaften im Rahmen einer Tagestour diese Sehenswürdigkeit zu präsentieren.

 

ALARA HAN

1 Eingangsportal
2
geschlossene Halle
3
offene Zellen

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© Heinz-Ulrich Hartung                         letzte Überarbeitung: 07.12.2015