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Das Allgäu

Immer wenn ich an Bayern denke, denke ich auch zurück an meine Militärzeit, die mich von Sonthofen bis nach Traunstein geführt hat. Mit Abstechern nach Starnberg, Feldafing und Mittenwald. Und als bereits motorisierter Jungspund (VW Käfer Bauj. 60) habe ich in der zweiten Hälfte der 60er Jahren des letzten Jahrhunderts selbstverständlich auch die jeweilige nähere Umgebung abgegrast. Somit begleitet mich immer noch der Gedanke an die herrliche Landschaft, die an Prunk nicht zu übertreffenden Kirchen, Klöster und Königsschlösser, die von Kastanien beschatteten Biergärten und die Wandersteige zu den Almhütten und Skipisten.
Aber erst jetzt - nach über 40 Jahren - im Besitz eines Wohnmobils, habe ich es geschafft, zumindest erst einmal das Allgäu während zweier Touren zu besuchen.
Die erste Tour führte mich zu meiner ersten Wirkungsstätte nach Sonthofen. Das erste Ziel, die ehemalige Ordensburg, heute Generaloberst-Beck-Kaserne, ist schon von Weitem auszumachen. Ich weiß aber nicht, welche Abteilungen heute dort untergebracht sind. Zu meiner Zeit waren es die “HUS 1”, die Sportschule des Heeres und eine Feldjägereinheit. Aber auch die Jägerkaserne im Ort hatte dazu beigetragen, daß Sonthofen wirtschaftlich über die Runden kam. Ein touristisch geprägter Ort war Sonthofen eher nicht. Aber im Umland gab es schon damals Orte, die vom Tourismus lebten. Bei meinem Besuch nach so vielen Jahren habe ich in der Stadt selbst nichts mehr wiedergefunden. Nicht den Gasthof zur Sonne, nicht das Cafe in dem man hin und wieder tanzen gehen konnte und auch nicht das Tanzlokal (mit Tischtelefon) an der Straße nach Burgberg. Ich habe Sonthofen nicht mehr erkannt. Nur noch das Eisstadion und die Burg, bei der ich sogar noch mein ehemaliges Zimmer auszumachen glaubte.
Bei der Weiterfahrt suchte ich vergeblich nach der “Winkel-Ranch” (Einzelkämpferausbildung), fand aber noch die Standortschießanlage. Von dort ging es auf Nebenstraßen über Altstädten und Fischen - eine Strecke die ich sehr, sehr oft zu Fuß marschieren mußte - erst einmal in das österreichische kleine Walsertal, bevor ich in der Sackgasse wieder umdrehen mußte, um nun Oberstdorf anzusteuern. Zurück ging es dann über Hindelang und die mehr als 40 serpentinartige Kurven (eine Rennstrecke die jedes Motoradfahrerherz höher schlagen läßt) hinauf zum Oberjoch. An das Oberjoch habe ich nur positive Erinnerungen: herrliche Skipisten und -hütten in denen es selbst am Totensonntag noch Hüttenzauber mit handgemachter Musik gab. Von dort war es nach Füssen nicht mehr weit. Die nächsten Stationen waren dann Kempten, das Museumsdorf Kürnbach und der Federsee bei Bad Buchau.
Bei meiner zweiten Tour - über Prien am Chiemsee aus Ungarn kommend - klapperte ich den Tegernsee, Bad Tölz, Garmisch-Partenkirchen (sehr guter Stellplatz an der Wankbahn), Mittenwald und Linderhof (hatte ich noch nie besucht) ab. Auf beiden Touren natürlich nicht ohne an besonderen Sehenswürdigkeiten, wie z.B. die Klöster Benediktbeuren, Ettal und Steingaden sowie Oberammergau eine Rast einzulegen. Von Linderhof machte ich noch einen kleinen Schlenker über Reutte/Tirol - am Plansee entlang -, um dann letztendlich in Ottobeuern (Geburtsort von Pfarrer Kneipp) die letzte Übernachtung in Bayern einzuplanen. Dort wurde mir meine Reise im wahrsten Sinne des Wortes verhagelt.
Ein 40minütiges Unwetter mit Hagelkörnern so groß wie Golfbälle haben meinem Womo gründlich zugesetzt. Die Motorhaube, das Dach und die Fahrerseite wurde mit vielen Dellen übersät. Dabei ging noch ein (Dach-) Fenster zu Bruch. Aber nur die äußere Scheibe. Neben mir stehende Fahrzeuge mußten bis zu 7 zerstörte Fenster beklagen und bei einigen Pkw zersplitterten die Heckscheiben. Für mein betagtes Fahrzeug bedeutete es trotzdem einen wirtschaftlichen Totalschaden. Aber es läuft noch einwandfrei. Und wenn man sich die Dellen wegdenkt, macht es auch noch einen ganz passablen Eindruck.
Daher werde ich sicher noch öfter auf Tour gehen. Auch wieder mal ins Allgäu. Diese Landschaft ist nämlich nicht nur im Sommer schön, sondern zu jeder Jahreszeit. Im Frühling die mit Wildblumen übersäten Wiesen und Almen; im Sommer der weiß-blaue Himmel und die schattigen Biergärten; im Herbst das bunte Laub der Wälder und im Winter die herrliche Schneepracht.

© Heinz-Ulrich Hartung                         letzte Überarbeitung: 07.12.2015