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Oberer Düden und Kursunlu-Wasserfall

Kurz nach neun Uhr standen wir bei „Abi“ im Laden, um unser Fahrzeug in Empfang zu nehmen. Er ging mit uns um das Haus herum, zu dem Parkplatz an der „Deniz Caddesi“. Es war wirklich ein fast neues Auto. Erst 7.000 Kilometer auf dem Buckel. Und groß genug für uns zwei langbeinige Mitteleuropäer war das Gefährt auch. Nach knapper Einweisung nahm ich den Fahrzeugschlüssel in Empfang und wir fuhren von dannen. Die Tankuhr tendierte gegen Null. Das hatte uns „Abi“ aber auch gleich mitgeteilt. Hier in der Türkei war es nicht üblich, die Fahrzeuge mit einem vollen Tank zu übergeben. Und man erwartete dies auch nicht bei der Rückgabe. Aber meist hatten die Urlauber immer noch soviel Sprit im Tank gelassen, daß die Angestellten der Mietzentrale dieses Auto nutzen konnten, ohne selbst das teure Benzin kaufen zu müssen. Außerdem, so hatte uns „Abi“ erklärt, war dadurch auch ausgeschlossen, daß geizige Mieter den Tank nicht bis obenhin auffüllten. Denn bei den geringen Mietpreisen, konnte die Mietwagenfirma es sich nicht leisten, diese Zusatzkosten zu tragen. Auch wollte man vermeiden, daß sich Mieter über einen nicht ganz vollen Tank beschweren konnten.
Mit diesen logischen Erklärungen versorgt, suchte ich die nächstgelegene Tankstelle auf, die sich an der Strasse nach Antalya befand. Auf dem Weg dorthin überschlug ich unsere anzunehmende Kilometerleistung, die wir heute absolvieren wollten. Über den ungefähren Spritverbrauch und dem mit Deutschland vergleichbaren Literpreis kam ich auf 20 Euro. Das war dann auch der Preis, den ich dem Tankwart mitteilte. Ein anschließender Vergleich dieses Betrages mit der an der Zapfsäule angezeigten Summe in Lire, bestätigte eine korrekte Betankung.
Bei herrlichem Wetter fuhren wir in angemessener Geschwindigkeit Antalya entgegen. Diese Strecke kannten wir ja bereits vom Transfer vom und zum Flughafen. Es gab auch überhaupt keine Probleme, zumal die Hauptstrasse, die wir befuhren, selbst in Antalya gut ausgeschildert war. An einem der Kreisverkehre des „Gazi Bulvari“ entdeckte ich ein Hinweisschild, welches auf den „Düden Şelalesi“, den oberen Wasserfall des „Düden“ verwies. Oberer deshalb, weil sich der untere ja direkt am Meer befand. Das war aber erst unser zweites Ziel. Zuerst wollten wir zum „Kursunlu Şelalesi“. Dazu mußten wir die Stadt und sogar den Flughafen hinter uns lassen. Erst kurz danach verließen wir die D400 und fuhren nach Norden, ins Landesinnere Richtung Isparta. Der erste Teil dieser Strasse kam uns bekannt vor. Und als wir linker Hand die Schmuckfabrik sahen, wußten wir auch, warum. Hier waren wir schon einmal mit einer Reisegruppe. Und der kleine Imbiß gegenüber stand auch noch da.
Nach etlichen Kilometer Fahrt zeigte ein braunes Schild mit weißer Schrift die Abzweigung zum Wasserfall an. Wir durchquerten eine Ortschaft und sahen dann auch bald den großen Parkplatz. Nur ein Reisebus und mehrere Pkw verloren sich auf dem Gelände. Und so fanden wir ohne Mühe einen schattigen Platz.
Der Wasserfall war wirklich sehenswert. In breiter Front ergoß sich der Aksu über die mit allerlei Kletterpflanzen bewachsenen Klippen. Der Weg hierhin war sehr gut ausgebaut und verlief vom Wasserfall aus, dem Flußlauf mal links, mal rechts folgend in Richtung Süden. Mehrere Katarakte unterbrachen das ansonsten ruhig dahinfließende Gewässer. Im Fluß selbst wimmelte es von Forellen und anderen Süßwasserfischen. Dies besonders in den fast stehenden Mulden und unter den Schatten spendenden Brücken. Man hätte sie mit einem Käscher herausholen können, so dicht standen sie. Das ganze Tal, das der Fluß im Laufe der Jahrtausende gebildet hatte, bot unverfälschte Natur. Lediglich die gepflasterten Wege und hölzernen Stege zeugten von der nahen Zivilisation. Hier unten war es, trotz der hoch stehenden Sonne angenehm kühl und erfrischend. Über einen Nebenweg, zwischen den Felsen hindurch, fanden wir auch wieder den Aufstieg zum Parkgelände. Oben gab es etliche Ruhe- und Grillplätze zwischen den weit auseinanderstehenden, Schatten spendenden Bäumen. Ein Restaurationsbetrieb nebst Kiosk war bereit, die Ausflügler mit Essen, Trinken und Andenken zu versorgen. Wir hatten nun die nötigsten Fotoaufnahmen geschossen und begaben uns daher auf den Weg zum nächsten Wasserfall. Also zurück nach Antalya.
Am uns schon bekannten Kreisverkehr bogen wir ab. Die Strasse führte ebenfalls nach Norden, entlang einer lebhaften Strasse. Anfänglich noch mit Geschäften aller Art gesäumt, nahm die Anzahl an diversen Werkstätten zu. Kleine und größere Handwerksbetriebe aller Gewerke waren bald in der Mehrzahl. Elektriker, Spengler, Sattler, Glaser, Kraftfahrzeugwerkstätten ohne Markenbindung, Heizungsbauer und Solartechniker betrieben ihr Geschäft. Als die Bebauung offener wurde, mußten wir die Hauptstrasse verlassen und fuhren wieder in dichter besiedeltes Gelände. Der dort ausgewiesene Parkplatz war auch nicht voll belegt, befand sich aber nicht direkt am Parkgelände. Wir mußten noch ein paar hundert Meter zu Fuß gehen.
Der Park selbst war nicht so ursprünglich wie der des „Kursunlu“. Hier erinnerte mich vieles an Manavgat- ”Wasserfall”. Sehr viele Restaurants und Andenkenläden. Der Düden war durch mehrere Kanäle in seinem Lauf behindert, folgte dadurch aber einer vorgegebenen Fließrichtung. Die Kanäle dienten gleichzeitig als Aufzuchtbecken für die Forellen, die man in den Restaurants bestellen konnte.
Wir folgten den gepflasterten Wegen bis zu einer steilen Treppe, die nach unten führte. Von einem großen Plateau aus schoß ich einige Bilder vom „Düden Şelalesi“. Dann suchte und fand ich den Weg, der unter dem Wasserfall hindurch führen soll. Und in der Tat, größere und kleine zusammenhängende, zum Wasserfall offene Grotten gaben den Blick auf die herabstürzenden Wassermassen frei. Und nur wenig Tageslicht fiel durch diesen Wasserschleier. Sicherlich auch dadurch begründet, daß sich die Sonne keinen Weg in die Schlucht bahnen konnte. Trotzdem gelangen uns sehr schöne Fotoaufnahmen.

Anmerkung: Wir hätten uns vom Kursunlu zum Düden den Weg durch Antalya sparen können, wenn wir besseres Kartenmaterial gehabt hätten. Denn es führt vom Kursunlu Şelalesi eine direkte Nebenstrasse über Varsak nach Antalya am Düden Şelalesi vorbei.

© Heinz-Ulrich Hartung                         letzte Überarbeitung: 07.12.2015