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Erstbesucher

Aspendos - Juni 2004 und Oktober 2010

Wir waren gerade mit dem Frühstück fertig, da kam ein Mitarbeiter von Abi durch den Hoteleingang und brachte uns den Wagenschlüssel. Wir gingen gleich mit nach draußen, um uns einweisen zu lassen. Und kurz darauf fuhren wir auch schon los.

Vorbei an Göynük und Beldibi fuhren wir durch Antalya. Der Beschilderung folgend, verließen wir den Ort in Höhe des Flughafens und durchfuhren kurze Zeit später den Ort Aksu (hier liegt Perge).
Wir erreichten Cumaliköy und kurz darauf Serik. Kurz hinter Serik sahen wir ein Hinweisschild, welches uns nach „Aspendos“ leitete. Auf einer kurvenreichen Nebenstrasse sahen wir nach etwa vier Kilometer das große, gut erhaltene Amphitheater auf der linken Strassenseite liegen. Der große Parkplatz war fast leer. Daher fanden wir auch einen beschatteten Parkplatz. Zuerst bestaunten wir das Bauwerk von außen. Gingen zuerst links herum. Schauten durch Fenster und Spalten an den großen Toren. Dann begaben wir uns zu dem Kassenhäuschen auf der rechten Seite des alten römischen Theaters. Denn wir wollten selbstverständlich dieses Prunkstück auch von innen betrachten und die sagenhafte Akustik ausprobieren. Der Wärter verlangte türkische Lira von uns, die wir nicht hatten. Aber er war nicht in der Lage und auch nicht Willens, uns 10 Euro in Lire zu tauschen.

Aspendos-Theater
Aspendos soll der Überlieferung zufolge bereits im 12. Jahrhundert v. Chr.von Siedlern aus dem peloponnesischen Argos gegründet worden sein. Der legendäre Seher Mopsos, auch von Städten wie Perge als Stadtvater verehrt, galt als einer der Gründer. Münzen aus dem 5. und 4. Jahrhundert v. Chr. belegen aber den Namen "Estwediys", der auf eine hethitische Herkunft verweist. Die Stadt stand im Verlauf von 800 Jahren unter lydischer, persischer, griechischer, ptolemäischer, seleukidischer und zuletzt römischer Herrschaft. Aus ihrer Geschichte ist weniges bekannt – Grabungen könnten zukünftig vielleicht mehr Hinweise auf die vorrömische Epoche bringen.
Als Hafenstadt war Aspendos früher durch den heute Köprü Çayı genannten Fluß mit dem Meer verbunden und dadurch zu bleibendem Wohlstand gekommen. Im letzten Kampf der Perserkriege schlug dort der athenische Feldherr und Flottenführer Kimon 469 v. Chr. die Perser in einer Doppelschlacht zu Land und zu Wasser. Seitdem markierte der Eurymedon politisch die Sphärentrennung zwischen dem östlichen persischen Einflußgebiet und dem griechischen Kleinasien im Westen. Unter dem Druck Alexanders des Großen wurde Aspendos nach anfänglichem Widerstand tributpflichtig. In römischer Zeit vermochte die Stadt ein vorwiegend gutes Verhältnis zu Rom aufzubauen und gelangte als bedeutender Handelsplatz der Region zu ihrer größten Blüte. Insbesondere der Export von Wein, Öl, Salz und Pferden brachte Aspendos Reichtum und Wohlstand.

Das Theater ist ein römischer Bau, dessen Bühnenhaus, wie nirgends sonst, in vollständiger Höhe erhalten geblieben ist. Die Innenseite zur früheren acht Meter tiefen Holzbühne war mit reichhaltigem Säulenschmuck, Balkenwerk, Friesen, Rosetten und Ornamenten verziert, wovon die heutigen Reste noch einen guten Eindruck geben. Der zentrale Giebel in der Wandmitte ist erhalten und zeigt ein Relief des Dionysos. Unterhalb der Mauerkrone sind noch die Einlassung erkennbar, auf denen eine schräge Holzkonstruktion ruhte, welche die Bühne überspannte und für eine noch bessere Akustik sorgte.
Vermutlich wurde der Bau im 2. Jahrhundert n. Chr. zur Zeit des Antoninus Pius (138-161) oder Marc Aurel (161-180) errichtet. Die Cavea umfaßt 39 Sitzreihen, durch einen Zwischengang (Diazoma) geteilt, und bot 20.000 Zuschauern Platz. Da die Seldschuken das Theater im Mittelalter als Karawanserei nutzten, wurde es fortwährend repariert und nach Erdbeben wieder hergerichtet. Heute finden hier wieder regelmäßig Aufführungen statt, traditionelle türkische Wettkämpfe oder auch Konzerte von internationalem Rang, wie die Gastspiele der Star-Tenöre Luciano Pavarotti und José Carreras. Ebenso fand die Open-Air Sendung von "Wetten dass?" am 15. Mai 2005 im Theater von Aspendos statt.
Das Theater gehört zu den öffentlichen Bauten der unteren Stadt. Weiter südlich liegen die Reste der Thermen und der Sportanlage, des Gymnasions. Nordöstlich befindet sich das wenig gut erhaltene Stadion. Westlich des Theaters liegt die Akropolis, der Burgberg, mit der oberen Stadt von Aspendos. Sie war mit einer eigenen Mauer gesichert, ein Stadttor ist noch erhalten. Neben zahlreichen Zisternen wurde die Wasserversorgung durch einen heute noch hervorragend erhaltenen Aquädukt sichergestellt, der aus der nördlichen Ebene zur Stadt hinführt.
Die noch weitgehend hoch aufragenden römischen Baureste auf dem Akropolishügel gruppieren sich dreiseitig um einen rechteckigen Platz. An den Langseiten im Westen und Osten wird er von langgezogenen Markthallen begrenzt. Der östliche Bau ist 142 Meter lang, schließt am Südende mit einer Exedra ab und endet im Norden mit einem mächtigen, 15 Meter aufragenden quadratischen Bau. An der Nordseite des Platzes dominiert die zweigeschossige Fassade eines Nymphaions, das vermutlich vom Aquädukt gespeist wurde. Nischen für Skulpturen und vorgelagertes Gesims für Säulen und Giebel zeugen für ursprünglich prachtvolle Ausstattung. Das dahinterliegende Gebäude an der Nordwestecke diente wahrscheinlich als Buleuterion, also Ratssaal. Heute sind die Ruinen jedoch etwas restauriert und dienen als Touristenattraktion.
Auf dem Rückweg zur Küstenstrasse nutzten wir eine andere, längere Strecke. Bestaunten die gut erhaltene Reste des Aquädukts und erblickten auf dem Höhenrücken hinter dem Theater etliche andere Ruinen der alten Römersiedlung. Wir durchfuhren das Dorf Belpinari und erreichten wieder die Kleinstadt Serik. Dort gelangten wir wieder auf die D400 Richtung Manavgat bzw.Antalya.
Oktober 2007 besuchten wir erneut das Aspendos Theater, um uns von der Show “Fire of Anatolia” faszinieren zu lassen. Das Theater, wie auch der große Parkplatz waren bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Atmosphäre, wie auch die Akustik waren in jeder Hinsicht ein Erlebnis.

Die Tanzshow selbst - eine türkische Adaption auf “Lord of the Dance” - erzählte eine kleine Geschichte um das “Feuer von Anatolien” und bot einige gute Einfälle. Sie ist sicherlich auch auf den normalen Bühnen dieser Welt als sehenswert einzustufen. Die Verkaufszahlen der Tickets in den Niederlande und / oder Irland scheinen dies auch zu belegen.
Es war wirklich keine reine “Touri”-Veranstaltung und die 32 Euro (inkl. Abendessen) p. P. wert.
Inzwischen (ab 2008) finden diese Art von Veranstaltungen nicht mehr im antiken Theater statt. Es wurde in unmittelbarer Nähe ein neues Freiluft-Theater für 4.500 Besucher gebaut - die Gloria Aspendos Arena. Die alte Bausubstanz war durch die Rock-Konzerte und die Vibrationen gefährdet. Oper, Operette, Konzerte, etc. werden wir auch weiterhin im antiken Theater bewundern können.
Oktober 2010 haben wir im Rahmen einer Tagestour erneut Aspendos angefahren.

 

1 Aquädukt
2 Stadttor
3 Felsengrab
4 Stadion
5 Ornamentbogen
6 Stadthalle
7 Basilika
8 Markthalle
9 Nymphäum
10 Agora
11 Basilika
12 Theater
13 Bäder

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© Heinz-Ulrich Hartung                         letzte Überarbeitung: 07.12.2015