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Erstbesucher

Auf Mehmet Dönmez´ Gulet unterwegs in der Ägäis

Pünktlich standen wir vor dem Gulet „Dönmez I”. Vor der Gangway mußten wir unsere Schuhe ausziehen, die Mehmet in einer Kiste deponierte und erst dann durften wir an Bord gehen.
Das Schiff nahm Kurs auf den Horizont. Das weiß leuchtende Güllük (typisch für die Ägäis) blieb hinter uns zurück. Die Umrisse der einzelnen Häuser verschwammen. Irgendwann waren nur noch die Gebäude unseres Hotels als solche zu erkennen. Ich hatte es mir bereits auf dem Vorschiff bequem gemacht und brutzelte kurz darauf in der Sonne, die vom wolkenfreien Himmel auf uns herabsah. Andere Ausflügler lagen auf dem Sonnendeck. Nach etwa einer Stunde steuerte Mehmet eine Bucht an. Sein Matrose sprang von Bord ins seichte Wasser, nahm das Tau und befestigte dieses an einem der vielen Felsen.
Der Kapitän scheuchte uns ins Wasser und kam kurz darauf selbst hinterher, in der Hand einen kleinen Ball. Im Nu hatte er uns in zwei Gruppen eingeteilt und es begann eine wilde Wasserballschlacht, die teilweise schwimmend und teilweise im flacheren Wasser stehend, vollzogen wurde. Egal ob Männlein oder Weiblein, alle machten mit oder wurden von Mehmet dazu genötigt, indem er abseits stehenden Touristen einfach den Ball zuwarf. Mit der Folge, daß sich mehrere Spieler der anderen Gruppe sofort unter Gejohle und heftig mit Wasser spritzend auf diese arme Person stürzten. Dieses Spiel dauerte gut zwanzig Minuten. Dann kam es zu ersten Auflösungserscheinungen und man badete sich aus. Kurz darauf nahm der Kapitän wieder Kurs auf das offene Meer. Wieder lagen wir alle auf dem Vorschiff oder dem Oberdeck in der Sonne.
Die nächste Bucht, hier lag eine tolle Yacht vor Anker, war besonders flach. Oben auf dem Berg befand sich eine große Villa. Auf halber Höhe der ansehnlichen Gartenanlage lag ein Tennisplatz. Auf Nachfrage erklärte uns unser Reiseführer, daß dieses Grundstück einer türkisch-russischen Firma gehöre. Mehr wisse er auch nicht. Mehmet bereitete uns darauf vor, daß wir nun eine besonderes „Peeling“ verabreicht und als verspätetes Frühstück Meeresfrüchte angeboten bekämen. Während sein Mitarbeiter das Boot festmachte, bereitete Mehmet ein großes metallenes Servierbrett vor. Er drapierte Melonenstücke, Weintrauben und anderes Obst auf dieses Tablett, dazwischen stellte er kleine Gläser und füllte sie mit „Raki“. Dann ging er über die Gangway von Bord, ins flache Wasser. Das Tablett hatte einen so hohen Rand, daß es sogar im Wasser schwamm. Jetzt winkte er uns heran und ermunterte uns, sitzend einen Kreis um das Tablett zu bilden. Er deutete auf das Eßbare in der Mitte: „Meeresfrüchte.“ Denn das Tablett, wie auch wir befanden uns im Meer und die Dekoration bestand aus Früchten. Nachdem das Tablett geleert war, führte uns Mehmet in einen noch flacheren Teil der Bucht, griff in das Wasser und förderte schwarzen Sand nach oben. Damit rieb er sich Beine, Körper und Arme ein. Mit dem Hinweis, daß dies ein besonders gutes „Peeling“ sei, forderte er uns auf, ihm nachzutun. Den “Dreck” wurden wir wieder los, indem wir ihn, im tieferen Meer schwimmend abwuschen. Während wir noch etwas badeten, suchte Mehmet zwischen den Felsen das Wasser ab. Plötzlich griff er zu und brachte einen Tintenfisch ans Tageslicht. Augenblicklich tötete er dieses Tier, indem er es mehrfach kräftig gegen die Felsen schlug. Dann begab er sich an Bord und nahm es aus. Anschließend deponierte er den Oktupus in einer Kühltruhe seiner Bugkabine. „Mein Abendessen“, so sein Kommentar.
Wieder auf offener See - wir lagen wieder in der Sonne - übergab Mehmet das Ruder seinem Matrosen und bereitete das Mittagessen vor. Spaghetti, „Köfte“ und geröstete „Ekmek“-Scheiben. Dazu benutzte er einen verhältnismäßig kleinen Gasgrill, der sich gegenüber dem Kapitänstisch in der Steuermannskabine befand. Auf dem Tisch stand bereits der türkische Bauernsalat. Den hatte sein Matrose zubereitet, während wir noch im Wasser planschten. Mehmet läutete die Schiffsglocke und rief uns zum Essen. Es war genug Platz an den Tischen und auch das Essen war ausreichend. Die Getränke wurden auf einem Zettel notiert, denn die mußten wir gesondert zahlen. Es gab Mineralwasser („Maden Suyu“), Cola, Fanta, „Efes“ und natürlich „Raki“ zur besseren Verdauung.
Die letzte Bucht bot uns keinen Strand. Nur tiefes, dunkelblaues Wasser. Mehmet meinte, hier wären es etwa sieben Meter bis zum Grund. Aber da das Wasser außerordentlich klar war, sei hier ein ausgezeichneter Platz zum Schnorcheln. Unten gäbe es viele große Muscheln. Die meisten von uns schwammen aber nur um das Schiff herum oder zu den Felsen, um dort Meeresgetier zu suchen und zu beobachten. Aber einige hatten Schnorchel und Schwimmflossen dabei und versuchten Muscheln zu finden. Sie wurden sogar fündig. Auch Mehmet brachte ein Prachtexemplar ohne Schwimmflossen an die Oberfläche. Insgesamt wurden drei etwa 50 Zentimeter lange, flache Muscheln an Bord gebracht. Mehmet brach sie auf, entnahm das Fleisch, entfernte den Darm und durchsuchte das Gekröse. In einer der Muscheln entdeckte er ein winziges Stück Perle. Noch kleiner als ein Stecknadelkopf. Der Erntehelfer, der diese Muschel ans Tageslicht befördert hatte, freute sich trotzdem über dieses Andenken. Das Fleisch teilte Mehmet in kleine Happen, beträufelte es mit Zitronensaft und ließ den Teller reihum gehen. Aber nicht jeder probierte die echte Meeresfrucht.
Um uns die lange Rückfahrt zu verkürzen, übergab der Kapitän wieder das Ruder an seinen Steuermann und animierte uns zu einigen kurzweiligen Spielen. So staffierte er eine Passagierin mit einem Bauchtanz-Röckchen aus und ermunterte sie, unter von ihm produzierten Trommelschlägen und unter dem Gelächter der anderen Mitfahrer einen Bauchtanz zu vollführen. Bei einem anderen Spiel band er ein Pärchen, er hatte meine Partnerin und mich auserkoren, mittels Bindfäden aneinander. Meinen Faden verknotete er so an meinen Handgelenken, daß dazwischen noch ein Abstand von ca. 50 Zentimeter verblieb. Bei meiner Partnerin tat er das Gleiche, führte diesen Faden aber zwischen meinen Armen hindurch. So aneinandergekettet, sollten wir nun versuchen, ohne einen Knoten zu lösen, wieder frei zu kommen. Wir könnten durchsteigen oder uns um die eigene Achse drehen. Wir könnten alles tun, nur nicht einen Knoten lösen. Aber ich mußte unseren Mitfahrern und Mehmet leider den Spaß verderben. Nach kurzer Überlegung fiel mir die Lösung wieder ein und wir waren frei. Ohne eine Verrenkung. Das T-Shirt mit dem Abbild der “Dönmez I“ als Belohnung habe ich heute noch. Den Rest der Rückfahrt verbrachten wir wieder an Deck. In der Sonne liegend.
Insgesamt gesehen, hatten wir einen schönen Tag verlebt. Wir wurden unterhalten und verköstigt. Wir konnten viel im Meer schwimmen und in der Sonne braten. Und brauchten uns zu keinem Zeitpunkt anziehen, um korrekt zum Dinner zu erscheinen. Ein Ausflug, den ich jedem Güllük-Besucher nur empfehlen kann. Das Schiff nannte sich „Dönmez I“ und der Kapitän heißt Mehmet.
Email: donmez11@hotmail.com.

Im Oktober 2010 unternahmen wir mit Mehmet erneut eine Tour zu den einsamen Buchten. Diesmal hatten wir den Ort Güllük mit einem Wohnmobil angesteuert. Auch diesmal gab es echte Meeresfrüchte (Muscheln), die wir - einen Eimer voll - eigenhändig vom Meeresgrund gesammelt hatten.
Eine wmv - Fotostory von dieser Tour (mit Musik) findest du unter Bodrum.

© Heinz-Ulrich Hartung                         letzte Überarbeitung: 07.12.2015