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Eine Fahrt die Lykische Küste entlang

Der Kleinbus kam pünktlich und brachte uns zum Hafen. Dort bestiegen wir eines der hölzernen Ausflugschiffe. Und bereits zehn Minuten später verließen wir, wie auch einige andere Gulets den Yachthafen von Kemer mit Kurs auf „Phaselis“, unserer ersten Station. Wir machten es uns auf dem Sonnendeck bequem. Noch stand die Sonne nicht sehr hoch am Himmel. Einen Sonnenbrand würden wir uns daher noch nicht holen. Und erst im “Südhafen” von „Phaselis“ standen wir auf, um uns in die erfrischenden, klaren Fluten zu stürzen. Viele unserer Mitfahrer gingen an Land, um sich während der knapp bemessenen Zeit die Ruinen dieser alten Siedlung anzuschauen. Ich nicht. Hatte ich doch erst vor einigen Monaten diese Sehenswürdigkeit ausgiebig und ganz ohne weitere Besucher besichtigt.
Nach etwa 30 Minuten ging die Fahrt weiter. Ich hatte mir bereits den besten Platz auf dem Vordeck gesichert und ließ mich von der Sonne verwöhnen. Noch war die Hitze erträglich. Wir schipperten die Küste entlang, in südliche Richtung. Gegen Mittag erreichten wir „Olympos“. In der Bucht lagen schon etliche andere Ausflugsboote. Der Strand war bereits übervölkert, da sicherlich viele Ausflügler die Gelegenheit nutzten, die römischen und lykischen Ruinen, die sich über uns ausbreiteten, zu besuchen. Da wir sowieso ins Wasser mußten, um an Land zu kommen, schwamm ich erst einmal ausgiebig in den klaren Fluten. Ich tauchte etwas, konnte aber in dieser flachen Bucht außer Geröll nichts Aufregendes entdecken. Dann begab auch ich mich auf eine Exkursion zu den Ruinen von „Olympos“. Bis zum Mittagessen blieben mir noch dreißig Minuten. Diese Zeit reichte gerade aus, die Mauerreste auf der Anhöhe in Augenschein zu nehmen. Diese uralte Siedlung war von Archäologen noch nicht total umgekrempelt, beziehungsweise rekonstruiert worden. Somit blieb es uns überlassen, die sichtbaren Fundamente, Mauerreste und Torbögen irgendwelchen Badehäusern, dem Fort oder der byzantinischen Kirche zuzuordnen. Was unter dem Schutt lag, konnten wir oft nur vermuten. Schliemann hätte an den Ausgrabungen sicherlich seine helle Freude gehabt. Aber er wollte ja unbedingt Troja finden.
Pünktlich zum Mittagessen waren wir wieder an Bord. Da das Essen im Preis inbegriffen war, mußten wir nur die Getränke zahlen. Sie waren auch nicht teurer als an Land. Nach dem Essen bekamen wir noch einmal die Gelegenheit, im Wasser zu plantschen, dann wurde wieder Fahrt aufgenommen.
Unser letztes Ziel waren die „drei Inseln“ vor Tekirova. Die Eilande bestanden aus drei verschieden großen Felsgebilden, die aus dem Wasser herausragten und sogar mit einer türkischen Flagge bestückt waren. Niemand sollte auf den Gedanken kommen, daß es sich hier, in unmittelbarer Nähe zum türkischen Festland, um griechische Hoheitsgewässer handeln könnte. In der Ägäis war dies schon eher möglich. Zwischen den Felsen zu schwimmen und zu tauchen war viel interessanter als in den beiden Buchten. Jetzt konnten wir Fische beobachten und Muscheln sowie anderes Meeresgetier sehen. Und es war faszinierend, sich zwischen den Felsen hindurch gleiten zu lassen, um in der Nachbarbucht das Wasser als viel wärmer zu empfinden. Wir mußten nur aufpassen, daß wir uns nicht an den scharfen Felskanten schnitten. Aber Allah sei Dank hatte ich meine Badeschuhe dabei.
Auf der Rückfahrt nach Kemer umrundeten wir die der Stadt vorgelagerte Halbinsel. Oben auf der felsigen Steilküste entdeckte ich ebenfalls Mauerreste. Aber um was für eine historische Siedlung oder Bauwerk es sich hier handelte, habe ich bis heute noch nicht herausbekommen können. Selbst Bewohner von Kemer hatten mir gegenüber bestritten, daß es dort oben eine Bebauung gab. Aber irgendwann werde ich dieses Gebiet über den Landweg erwandern. Allerdings nicht im Hochsommer.
Das Anlegemanöver im Hafen war ein aufregender Akt, denn wir waren nicht die Einzigen, die wieder einen guten Liegeplatz am Pier ergattern wollten. Es ging äußerst eng zu. Und es grenzte an ein Wunder, daß es zu keiner Kollision kam.

© Heinz-Ulrich Hartung                         letzte Überarbeitung: 07.12.2015