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Der Strand von Cirali und die “brennenden Steine” der Chimaera

Als wir am Morgen aus dem Fenster schauten, war am Himmel keine Wolke mehr zu entdecken. So kennen wir den Oktober in Avsallar. Ein kurzes aber heftiges Unwetter und dann gleich wieder der schönste Sonnenschein. Und so, wie es aussieht, wird es den ganzen Tag wohl auch bleiben.
So nahmen wir die D400 Richtung Antalya unter die Räder. Vorbei an Manavgat, durch Serik und Aksu. Vorbei an Bananenplantagen, Baumwollfeldern die erntereif waren und an Zitrusplantagen (Orangen, Mandarinen, Zitronen).
Verkehrstechnisch war die Fahrt durch Antalya kein Problem. Der „Autobahnring“ war ohne Baustellen. Die Kreuzung D400 / D650 war fertiggestellt. Daher kamen wir auch zügig bis vor den „Tünek Tepe“, den Berg mit dem „Döner“-Restaurant (drehbar) auf seiner Spitze.
Von Bautätigkeiten bezüglich einer Seilbahn zum Magic Mount Hotel auf dem Gipfel – wie vom neuen Bürgermeister vor der Wahl versprochen – war noch nichts zu sehen. Aber der Ausbau der D400 nach Kemer war endlich vollendet und die neuen „Tüneli“ befahrbar. Und so fuhren wir auf einer autobahnähnlichen Straße an Beldibi vorbei und schüttelten den Kopf, als wir den pompösen Dorfeingang von Göynük erblickten. Was ist nur aus diesem schönen Feriendorf geworden? Ein Retortenort. Vorbei ging es an Kemer, dem Abzweig nach Phaselis und Tekirova
Cirali-Karte
Etwa 10 Kilometer hinter Tekirova zweigt die Straße nach Beyçik ab, dem Ausgangspunkt für die Seilbahnfahrt auf den Tahtali, dem lykischen Olymp (2.365 m). Und einige Kilometer später zeigte uns ein Hinweisschild die richtige Richtung. Links ab nach Çirali und Yanartaş, bzw. „Chimaera“.
Die Straße führte uns, anfangs in Serpentinen, ins Tal und an die Küste. Nach 7 km erreichten wir den Ort Çirali, fuhren aber erst vier weitere Kilometer nach Altbükü, um von dort zu den „brennenden Steinen“ der Chimaera aufzusteigen. Vor der Restauration am Einstieg zum „Lykischen Weg“ waren genügend Parkflächen frei. Aber in der Hauptsaison wird es hier sicher eng.
Am Yanartaş Büfe bezahlten wir 2 x 3,50 TL Eintritt und wanderten ca. 1.000 Meter den steil ansteigenden, grob gepflasterten Weg zu den „brennenden Steinen“ hinauf. Anfangs noch sehr moderat, wurden die Stufen der „Treppen“ immer höher, sodaß es manchmal bequemer war, neben dem gepflasterten Weg zu wandern.
Oben angekommen sahen wir überall die Flammen zwischen den Felsen. Aber nicht mehr alle Öffnungen und Risse im Fels wiesen dies Naturphänomen auf, denn an einigen Stellen waren die „ewigen“, von Erdgas gespeisten Flammen der Chimaera erloschen, was an den schwarz angeräucherten Steinen zu erkennen war. Trotzdem ein einmaliges Schauspiel.
Wir begutachteten noch die Reste der byzantinischen Basilika und machten uns dann auf den Rückweg. Am „Büfe“ mußten wir uns dann erst einmal ausruhen und einen Çay trinken. Die Wanderung ging doch ganz schön in die Beine.
Auf der Rückfahrt, nach etwa einem Kilometer, bogen wir zum bekanntlich geschützten „Caretta - Strand“ von Çirali ab. Hier fanden wir unter alten Pinien einen schattigen Stellplatz. Außer uns standen noch sieben Wohnmobile auf dem großen Gelände verstreut. Nationalitäten: Holland, Frankreich und mehrere Fahrzeuge aus Deutschland. Die Übernachtung kostet fünf TL, worüber man nicht meckern konnte. Waren der Strand und das Meer doch inklusive.
Am breiten Strand von Çirali durfte man sich sonnen und auch schwimmen gehen. Aber es wurde darauf geachtet, daß die Gelege der Meeresschildkröten „Caretta Caretta“, welche hier im Frühsommer zuhauf an Land gehen, nicht angetastet werden. Daher werden diese Gelege auch mittels „Drahthüten“ gekennzeichnet. Jetzt im Oktober gab es allerdings keine Einschränkungen mehr. Denn die kleinen Schildkröten waren schon längst geschlüpft und im Akdeniz verschwunden.
Der Ort Çirali war gekennzeichnet durch etliche Pensionen und kleine Butik-Hotels. Touristenbunker, wie sonst an der Küste, sucht man hier – Gott sein Dank – vergebens. Die Klientel war daher völlig anders geartet, als die in den Touri-Hochburgen. Die Gäste hier waren auf das Relaxen mit Familienanschluß und auf Wanderungen durch die Berge ausgerichtet. Der „Lykische Weg“ lag ja auch direkt vor der Tür, bzw. führte in unmittelbarer Nähe vorbei.
Liegeplätze am Strand gab es reichlich – die einzelnen “Familienpensionen” hatten ihre Parzellen – sodaß die Sonnenanbeter nicht wie die Sardinen nebeneinander lagen, sondern genügend Abstand zu den Nestern der Meeresschildkröten und den anderen Gästen halten konnten.

© Heinz-Ulrich Hartung                         letzte Überarbeitung: 07.12.2015