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Der Besuch in einem Türkischen Badehaus (das Hamam)

Als regelmäßige Besucher dieser Wellness - Anlagen unterscheide ich die Badehäuser in zwei Kategorien. Zum Einen das originäre Türkische Bad und zum anderen die modernen Anlagen in den Hotels und Ferienorten. Daher werde ich die Besonderheiten und Abläufe gesondert erklären.
Aber diese Badehäuser haben auch Gemeinsamkeiten: Du brauchst, anders als in unseren Saunen, keine Utensilien mitbringen. Somit kannst du ganz spontan handeln, wenn es dir in den Sinn kommt (z. B. bei einem Spaziergang durch die Stadt).
Du bekommst beim Eintritt ein kariertes Tuch (das Peştemal, sprich Peschtemal) ausgehändigt, das du dir (als Mann) um die Hüfte binden oder (als Frau) oberhalb des Busens befestigen sollst. Du selbst bist darunter nackig! Einige prüde Zeitgenossen behalten die Badehose, bzw. Bikini an - aber wie kann sich diese Person nunmehr hygienisch waschen, bzw. (inkl. Peeling) gewaschen werden? Badelatschen bekommst du natürlich auch. Heute sind es überwiegend Badeschlappen von Puma, Adidas, Nike. In manchen Häusern bekommst du aber auch noch die hölzernen Sandalen (Takunya), die an die Klappern der Geishas erinnern. Soweit die Gemeinsamkeiten.

Besuchen wir also ein altehrwürdiges Türkisches Badehaus. (z. B. Cemberlitas, Istanbul)
Du findest es in jeder größeren, älteren Stadt. Erbaut wurde es sicherlich schon vor 500 Jahren. Damals hatten die Osmanen das Badehaus der Römer verfeinert und ihren Bedürfnissen angepaßt. Tauchbecken oder Pools wirst du nicht finden, denn ein Moslem kann nur unter fließendem Wasser wirklich sauber werden. Herren und Damen (“bay” und “bayan”) baden getrennt. Ist in einer Stadt ein Badehaus mit nur einem Hararet vorhanden, steht dieses Männern und Frauen zu unterschiedlichen Zeiten zur Verfügung.
Das Hamam mit seinen künstlerisch verzierten Wänden, der Kuppeldecke mit den “Elefantenaugen” und prachtvollen Marmorverkleidung, ist nicht nur ein Raum der Körperreinigung. Es ist gleichzeitig ein unentbehrlicher Teil des Soziallebens.
Du trennst dich also vor dem Eingang von deinem andersgeschlechtlichen Partner. Und schon stehst du in einem großen, hohen Raum, dem Cannecan. Hier befindet sich die Kasse und er wird als Gemeinschaftsraum genutzt. Das heißt, hier wird Tee getrunken, eine Wasserpfeife geraucht, palavert, Politik gemacht (oder  - im Frauentrakt - gruppendynamisch über die Kinder geredet, Kochrezepte ausgetauscht und über die Patriarchen hergezogen). Im ersten Stock siehst du einen umlaufenden Gang mit vielen Türen. Dahinter verbergen sich Einzel - Umkleidekabinen mit Ruheliegen. Hier kannst du dich entkleiden und ggf. nach den Anwendungen ausruhen.
Nachdem du dich in deiner Kabine entkleidet und das Peştemal  um den nackten Körper gewunden hast, begibst du dich in den eigentlichen Baderaum, dem Hararet. Hier siehst du mitten im Raum den heißen, von innen beheizten Nabelstein (Göbektaşı, sprich Göbektasche) und eine ebenfalls beheizte, umlaufende Marmorbank (Sofa), die von marmornen Wasserbecken (Kurna) unterbrochen ist. In einigen Häusern wirst du auch Nischen finden, in denen sich die Badegäste separat, von Blicken geschützt, waschen können.
Du setzt dich also auf die Marmorbank und akklimatisierst dich. In eines der Kurna läßt du dir aus den darüber befindlichen Heiß- und Kaltwasserhähnen wohl temperiertes Wasser ein. Dieses benutzt du unter Zuhilfenahme der kupfernen Schalen, um dich zu waschen (abzuspülen, abzukühlen).
Nach etwa zehn Minuten bist du bereit, dich auf den heißen Stein in der Mitte des Raumes zu legen (Achtung: vorher mit kalten Wasser abspülen - ggf. sehr heiß!). Breite dein Peştemal aus und lege dich darauf. Mit dem unteren Ende des Tuches verdeckst du dein Geschlecht und wartest auf den Telak (männlich) oder die Natır (weiblich). Die eigentliche Prozedur wird meistens auf dem Göbektaşı durchgeführt, aber es kann auch sein, daß du in eine separate Nische geführt wirst.
Diese Badegehilfen werden als erstes damit beginnen, deinen Körper mittels eines Kese (ein Ziegenhaar- oder Leinenhandschuh) abzurubbeln, um die alten, abgestorbenen Hautzellen zu entfernen (“Peeling”). Wundere dich nicht über die großen Dreckröllchen. Das sieht zwar nach seltener Ganzkörperwäsche aus, ist aber völlig normal. Deine künftige Sonnenbräune wird es dir danken.
Dann beginnt auch schon die zweite Prozedur. Dein ganzer Körper wird eingeschäumt (schon allein die Art, wie der Schaum erzeugt wird, ist sehenswert) und man wird dich kräftig waschen. Dabei erfährst du auch gleich eine leichte Massage.
Die Männer werden dabei auch ganz kräftig herangenommen! Der Telak wird deine Gliedmassen strecken, dehnen und verbiegen, daß du das Gefühl hast, mit dem Marmortisch eins zu werden. Aber du überlebst die Behandlung! (die ich HIER gesondert beschrieben habe)
Anschließend darfst du dich aufsetzen. Nun wird dir der Kopf gewaschen. Ohren, Haare, nichts wird vergessen. Und nachdem der ganze Schaum abgespült wurde (Achtung: manch ein Telak macht sich einen Spaß daraus, auch mal eine Schüssel kaltes Wasser darunter zu mogeln!), wirst du trocken gerubbelt und mit Frottee-Tüchern dick eingemummelt in deine Kabine geschickt. Hier erholst du dich, trinkst etwas (Tee?) und wartest ggf. auf die Öl- Massage.
Und nach dieser tollen Behandlung wirst du dich um Jahre jünger fühlen!

Schauen wir nun einmal in ein modernes Hamam eines Hotels oder Feriengebietes
Hier gibt es - außer in wirklich großen Hotels - keine getrennten Bereich für Männer und Frauen. Sicherlich aus Kostengründen, aber auch, weil man vermutet, daß wir Europäer etwas freier erzogen wurden und eine niedrigere Schamgrenze haben. Für Saunagänger sicherlich kein Problem, sich halbnackt (unter dem Peştemal habe ich immer noch nichts an) dem anderen Geschlecht zu präsentieren. Aber nicht alle Landsmannschaften sind so unbekümmert wie meine Begleitung und ich. Das mußte ich bei einem Besuch in einem modernen, öffentlichen Hamam vermuten. Denn als mir der Telak das Hüfttuch vom Körper nahm, um es auf den Göbektaşı zu legen und dabei meine Blöße entdeckte, entfuhr ihm: “Oh! German.” Und schnell band er mir das Tuch wieder um.
Wer also sehr schamhaft ist, kann nach Rücksprache mit dem Betreiber des Hamam auch erreichen, daß der Baderaum für das andere Geschlecht vorübergehend verschlossen bleibt.
In der Gemeinschafts-Umkleidekabine (mit Schließfächern) legst du deine Sachen ab, bindest dir das Tuch um, schlüpfst in die “Badeschlappen” und gehst völlig ungezwungen in das Hararet. Dort benimmst du dich, wie schon oben beschrieben.
Das Peeling auf dem Marmortisch erfolgt genau so wie vorher erklärt. Auch die Schaumwäsche mit Massage wird dir gefallen. Denn nun brauchst du keine Angst zu haben, daß man dir die Gliedmassen verrenkt. Aber die Körperwäsche wird genauso gründlich ausfallen, wie in einem originären Hamam.
Anschließend relaxt du dick vermummt in einem Gemeinschafts - Ruheraum, läßt dir einen Tee (oder ein anderes Getränk) bringen und dein Gesicht mit einer grünen Paste einschmieren. Sicherlich schläfst du dabei auch ein. Dein Kreislauf hatte ja auch einige Arbeit zu leisten und vielleicht war die letzte Nacht auch sehr kurz. Aber keine Angst: Man wird dich wecken. Zumindest dann, wenn dein Masseur Hand an dich legen möchte und du vorher die getrocknete Maske vom Gesicht spülen sollst.
Nach der (häufig sehr professionellen) Öl - Massage darfst du dich abduschen (wenn du wieder in Strassenkleidung schlüpfen willst) und dich noch einmal im Ruheraum ausruhen. Beim anschließenden Sonnenbad am Strand paß bitte auf, daß du nicht noch einmal einschläfst!
In den Hotels werden dir etliche Angebote, zu unterschiedlichen Preisen unterbreitet: Komplett - Programm, Ganzkörper - Massage, Rücken - Massage, Stein-, Thai- und Shaitsu-Massage, uvm.

Bitte beachten: Ganz wichtig! Nicht durch die Anwendungen scheuchen lassen. Laß dir Zeit. Gehe schon zehn Minuten vor der Anwendung in das Hararet und akklimatisiere dich. Begieße dich mit heißem, kaltem oder temperiertem Wasser - je nach Lust und Bedürfnis. Lege Ruhepausen ein, wie du es aus der Sauna gewohnt bist. Du sollst dich entspannen! So ein Hamam - Besuch darf mit Vorbereitung im Hararet, der Öl - Massage und den Entspannungszeiten gute zwei Stunden dauern.
Wer noch nie ein türkisches Bad besucht hat und nicht sicher ist, wie man sich dort verhält, kann sich ja einem erfahrenen Badegast anschließen. Es soll ja schließlich ein denkwürdiges Erlebnis werden!

Dank Apo purzelten die Preise in Avsallar für die Anwendungen fast wieder auf DM-Niveau. (z. B., Komplett - Behandlung: 20 EUR, teilweise sogar weniger; Rückenmassage - 20 min: 6 EUR; Komplett- Massage - 30 min: 8 EUR; usw.) Diese Preisgestaltung kann man immer noch (auch wegen vermehrter Konkurrenz)  entdecken.
Sollte der Betreiber deines Hotels sich nicht auf dieses Niveau begeben wollen: Hole dir die Komplettanwendungen und Massagen an anderer Stelle. Du mußt ja keine Utensilien mit in das Hamam nehmen und kannst von dort gut erholt deine weiteren Unternehmungen starten.

Persönlicher Hinweis:
Einen (funkelnagelneuen) Spa-Bereich mit Hamam und sehr guten Mitarbeitern habe ich im Hotel “Yalihan” entdeckt. Dieses Hamam erreicht auch jeder Gast ganz leicht über den Strand. Ohne durch das Hotel laufen zu müssen. Was aber auch erlaubt ist.
Und wer sich “nur” professionell massieren lassen will - auch dafür gibt es in Avsallar eine gute Adresse. Kazim Kuzu wartet auf euch! Aber auch bei Kazim könnt ihr in den Genuss eines kleinen Familien-Hamam kommen und die speziellen Anwendungen genießen.

Daß hier die Preise stimmen, muß ich wohl nicht betonen. Mehr dazu, siehe “shoppen in Avsallar”.

© Heinz-Ulrich Hartung                                                 letzte Überarbeitung: 11.07.2016