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Eine Tour zur Dim-Quelle bei Alacami
 

Mindestens eine Tour mit einem Mietwagen ist für uns schon obligatorisch, wenn wir in der Türkei Urlaub machen. So auch bei unserem Aufenthalt im April 2008 in Avsallar.

Ich hatte mich wiederum in Deutschland mit Karten versorgt, konnte aber schon zu haus feststellen, daß sie fehlerbehaftet waren. Trotzdem suchte ich mir anhand dieses Kartenmaterials (Shell Eurokarte 1:750.000) eine Strecke heraus, die uns in abgelegene Dörfer des Taurus hinter Alanya führen sollte. Ich wollte bis zur Dim cayi - Quelle bei Alacami und von dort weiter nach Seyhler und von dort auf einer anderen Strecke wieder über Mahmutlar zurück nach Alanya. Also wieder zu Ali, Wagen gemietet (20 EUR pro Tag) und ab auf die Piste.Karte Alacami

Bei Mahmutlar sollte die Strasse abzweigen. Es war auch ausgeschildert (Strasse nach Taskent). Aber dann kam im Ort eine Umleitung und keine weiteren Hinweise mehr. Ich irrte - trotz Karte - umher und war irgendwann wieder auf der Strasse nach Alanya. Also umdisponieren. Und so fuhren wir den Dim cayi auf der Südseite entlang (die neue Strasse). Vor dem Damm blieben wir auf dieser Seite, in der Hoffnung, daß diese Strasse (wie auch auf der Karte ausgewiesen) bereits fertig gestellt sein und uns weiter in das Gebirge führen würde. Aber meine Hoffnung trog.
Es wurde zwar kräftig gewerkelt (Wasserleitungen, neue Moschee, neue Häuser), aber plötzlich war die Strasse zu Ende. Also kehrten wir wieder um, nicht ohne noch ein paar Fotos von der gegenüberliegenden Seite des später überfluteten Tales zu machen. Die dortigen neuen Strassen und neu gegründeten Ortschaften waren gut zu erkennen.

Wieder vor dem Staudamm überquerten wir den Dim cayi und fuhren etwa einen Kilometer die alte Strasse zurück (die Restaurants, die sich im Flußbett befanden, waren noch alle geschlossen). Dann konnten wir nach rechts abbiegen, um zur Krone des Damms zu gelangen. Von dort befuhren wir die alte Strasse durch das Tal - das ja noch nicht geflutet war -, kauften bei einem Dorfkrämer Wasser und 2 Schachteln Zigaretten (5,20 YTL), und folgten dieser kurvenreichen Strecke, immer vom Dim begleitet, weiter in die Berge.
Mehrmals überquerten wir diesen Fluß, schossen ein paar Fotos von alten Brücken und der Raststätte mit dem kuriosen Namen “Niagara Piknik”, der sich darin begründete, daß der Besitzer auf einen kleinen Wasserfall verweisen konnte.
Auf einem waldreichen Abschnitt sahen wir plötzlich mehrere Landschildkröten, die sich ruhig und genüßlich an den Grünpflanzen gütlich taten. Wie die hier oben (etwa 1.000 m) mit den steilen Hängen zurecht kommen, ist mir ein Rätsel. Runter haben sie sicherlich kein Problem. Aber rauf? Mit dem dicken Panzer und den kurzen Beinen?!
Plötzlich tauchte eine enge Schlucht vor uns auf, an dessen Grund sich der Dim cayi durch das Geröll Bahn verschaffte. Die Strasse war zwar noch geteert, wirkte auch aufgrund der geringen Breite doch sehr holperig. Dann öffnete sich die Schlucht und gab den Blick auf das Hochtal von Alacami frei.
Wir durchquerten das Bergbauerndorf und mußten immer wieder den frei herumlaufenden Rindern und zahlreichen Kindern ausweichen. Am Ende des geteerten Weges parkte ich das Fahrzeug. Hier schien nur noch ein Schotterweg weiter in die Berge zu führen - obwohl meine Karte eine Verbindung nach Seyhler anzeigte. Ich folgte dem Weg zu Fuß, um zu erkunden, ob nicht doch noch eine Weiterfahrt möglich war.
Aber der weitere Weg sah nicht gut aus. Auch mit einem Jeep hätten wir Probleme bekommen, zur Dim-Quelle zu gelangen. Also zurück ins Dorf und an einem Haus gehalten, an dessen baulichen Fertigstellung wohl das ganze Dorf beteiligt war. Dort breitete ich meine Karte aus und ließ mir bestätigen, daß es keine weiterführende Strasse gab. Also zurück durch die Schlucht, vorbei am “Niagara Fall”, kurzer Stopp bei den Schildkröten und kurz vor der “Römerbrücke” links abgebogen.
Die Abzweigung nach Gümüskavak ignorierten wir, obwohl uns ein unterwegs befragter LKW-Fahrer diesen Weg zurück nach Alanya empfohlen hatte, und blieben auf der augenscheinlich verhältnismäßig gut ausgebauten Strasse. Die Landschaft war einfach herrlich. Dann wurde die Strasse immer schlechter - Schotterweg. Plötzlich grell weißer Fels. Man konnte meinen, durch ein Schneegebiet zu fahren.
Wir hielten an, um ein paar Fotos zu schießen und den weiteren Weg zu erkunden, denn auf unsere Karten konnten wir uns schon längst nicht mehr verlassen. Etwas weiter rechts von uns sahen wir ein kleines Dorf, dessen Namen wir auf der Karte auch nicht fanden. Aber wir sahen, daß sich von dort ein Auto näherte. Und kurz darauf - mal wieder typisch - hielt der Fahrer an, um uns zu fragen, ob wir Hilfe benötigten.
Er konnte uns helfen. Auf unsere Frage, ob wir weiter fahren könnten, beschied er uns, daß der schlechte Weg nach etwa einem Kilometer auf die Strasse nach Mahmutlar münden würde. Und wirklich, nach gut 1.000 Meter Geröllstrecke erreichten wir eine Teerstrasse, der wir in Richtung Küste folgten.
Jetzt befanden wir uns in ca. 1.300 m Höhe und hatten eine herrliche Sicht auf die umliegenden Berge und die Gegend, die wir in den letzten Stunden “erfahren” hatten. Nach etwa 10 Kilometern trafen wir auf eine Abzweigung (nach Demirtas) und einen kleinen Rastplatz an welchem sich eine kleine Familie mit der Zubereitung von Gözleme und Cay ihren Unterhalt verdiente. Auf einem durch Holz betriebenen Herd (das runde, gewölbte Backblech war etwas rostig, aber funktionstüchtig) buk die Hausfrau die Fladen auf Bestellung. Für zwei Gözleme und zwei Cay bezahlte ich abschließend 4,50 YTL. Ein wirklich günstiger Imbiß!
Die restliche Strecke bis Mahmutlar verlief dann zügig. Und als einziges Highlight konnten wir noch in der Ferne das riesige, neue 5-Sterne-Hotel Goldcity auf einem der Hügel bewundern. Wer wird dort später wohl nächtigen?

© Heinz-Ulrich Hartung                         letzte Überarbeitung: 07.12.2015