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Eine Tour im Juni über Anamur - Ermenek - Sariveliler - Alanya

Nachdem wir bereits im Oktober und Ende März durch das Toroslar-Gebirge gefahren waren, wollten wir diese Gegend unbedingt einmal im Frühsommer besichtigen. Und da wir bereits zweimal die gleiche Tour unternommen hatten, suchte ich uns nunmehr eine andere Streckenführung aus. Allerdings war diese erheblich länger. Aber, so hoffte ich, größtenteils sehr gut befahrbar. Weiterhin sparten wir Zeit, indem wir Anamur ohne Halt durchfuhren, denn Anamuryum und Mamure Kalesi hatte ich ja schon mal in meinem Programm.
Ermenek Tour2Die Fahrt auf der D400 nach Gazipasa verlief denn auch, mit nur einem Stop (Wasser einkaufen) völlig störungsfrei, bevor die 400 Kurven entlang der Küste zu vorsichtiger Fahrweise mahnten. Antiochia ad Cragum passierten wir, ohne anzuhalten (hatte ich bereits besichtigt). Wir durchfuhren Yakacik und auch Kaledran, wo wir eine Vielzahl von Frauen vor der Moschee stehen sahen. Die Männer des Ortes entdeckten wir dann kurz nach dem Ortsausgang. Scheinbar kamen sie gerade von einer Beerdigung. Spitzhacke und Schaufel teilweise noch am Mann.
Kurz vor Anamur, an der Abzweigung zur Ruinenstadt (und dem südlichstem Zipfel der Türkei) Anamuryum, passierten wir das neue Wahrzeichen von Anamur. Die Toki-Hochhäuser. Sie passen in die Landschaft, wie die Faust auf´s Auge. Einfach häßlich.
Panoramabild 2
Toki-Häuser werden staatlich unterstützt - Förderung von Wohneigentum - verantwortlich für den Bauboom.

Die Abzweigung nach Ermenek war in Anamur (wenn auch leicht verdeckt) ausgeschildert. Aber bereits nach kurzer Streckenführung mußte ich raten, wie es weitergehen sollte. Ich entschloß mich, den Kartenausschnitt vor Augen, rechts abzubiegen. Es war der richtige Gedanke. Denn nach einigen Kilometern voller Zweifel tauchte an der Landstrasse 70-52 ein blaues Strassenschild mit dem Hinweis auf: Ermenek 100 km. Kurz darauf überquerten wir die schöne alte Brücke Ala Köprü.
Dann ging es auch schon sehr kurvenreich durch herrliche Landschaften in die Berge. In Serpentinen kletterten wir bis auf 1.690 m zum Suolmaz-Pass. Mehrfach hielten wir an, um die Aussichten (teilweise bis Anamur) zu genießen. Die dabei geschossenen Fotos können diese tollen Eindrücke überhaupt nicht wiedergeben. Die ständig wechselnden Landschaftsbilder waren mit dem Prädikat “landschaftlich reizvolle Strecke” nur sehr unzureichend beschrieben. Häufig gab es nur einen passenden Begriff: Wahnsinn!
Wir durchquerten bewaldete Höhen, Hochgebirge und Hochalmen ebenso wie die hübschen Ortschaften Kasyaylasi, Abano, Halkali und Akpinar, um die herum sich Äcker und Obstplantagen ausdehnten. Es war gerade Kirschenzeit. Und nachdem wir mal wieder eine Bergkuppe hinter uns gelassen hatten, sahen wir die größere Ortschaft Kazanci vor uns. Von dort waren es nur noch wenige Kilometer bis zur Brücke Görmel Köprüsü über den Ermenek Cayi (der nach dem Gezende Baraji zum Ermenek Nehri wird und dann in den Göksu Nehri mündet, in welchem - alle Barbarossa-Fans werden es wissen - Kaiser Rotbart ertrunken sein soll). Gleichzeitig sahen wir auch die sich im Bau befindliche Staumauer des zukünftigen Ermenek Baraji, die dafür sorgen wird, daß eines Tages das ganze schöne Tal überflutet sein wird.
Auf der gegenüberliegenden Bergseite blickten wir noch einmal in das Tal zurück, ohne zu begreifen, wie weit sich dieser Stausee wohl ausbreiten könnte.
Der D340 folgend erreichten wir Ermenek und durchfuhren den Ort ohne uns in dem Städtchen weiter umzusehen. Das wollten wir bei einem gesonderten Ausflug mit Übernachtung nachholen. Somit blieben uns nur die bewundernden Blicke zu den umliegenden Bergen mit ihren vielen Höhleneingängen und der hoch über der Stadt thronenden Firan Kalesi, an deren Mauer in großen weißen Lettern der Hinweis auf den Ort Ermenek prangte.
Im nächsten Ort (Güneyyurt) hielten wir an, um in einem Restoran zu speisen. Aber bei unserem kleinen Rundgang durch den Ort entdeckten wir noch nicht einmal ein Köfteci. Daher überfielen wir einen Supermarkt. Dort erstanden wir Brot, Schafskäse, Melone, grüne Paprika, dunkelrote Kirschen und Wasser zu einem äußerst geringen Preis. Lediglich die verlangten Lira für das Bündel Bananen (wächst hier nicht) fielen etwas aus dem Rahmen.
Hinter dem Ort Tepebasi legten wir auf einer grünen Wiese unsere verspätete Mittagspause ein. Von dort besichtigten wir noch ein paar Wohnhöhlen, die uns neugierig gemacht hatten. Keine der Höhlen bestand aus mehr als einem Raum.
Kurz darauf ging es auch schon weiter. Immer der D340 Richtung Konya folgend, genossen wir die Aussicht auf die herrliche Landschaft. Dabei kam uns ein Lkw entgegen, auf dessen Ladefläche Männer damit beschäftigt waren, Sand auf die Strasse zu streuen. Dies sollte sicher dazu beitragen, daß sich die Teerstrasse bei zu großer Hitze trotzdem sicher befahren ließ. Bei Adiller mußten wir eine Umleitung über Sariveliler in kauf nehmen (dieser Streckenabschnitt war bereits während unserer letzten Fahrt Ende März gesperrt), somit befanden wir uns ab jetzt wieder in bekanntem Terrain.
Die Strasse durch Sarivelliler war ob der Hitze sehr weich geworden und ich hörte, wie das Gummi der Reifen sich schmatzend von dem Teer löste. Nur nicht anhalten oder etwas zu scharf in die Kurve gehen, sonst reißt es große Teerstücke aus der Strasse, waren meine Gedanken. Hier sollte der Sand-Lkw unbedingt auch mal entlang fahren!
Auf der Strasse nach Taskent sahen wir viele der “Rohbauten”, “Schwalbennester” und Höhlen durch Nomaden bewohnt. Die ursprünglichen Abdeckungen dieser Behausungen aus Zweigen waren inzwischen - dem Fortschritt sei Dank - Plastikfolien gewichen.
Die Berge links und rechts der Strasse waren von etlichen großen und kleinen Schaf- und Ziegenherden bevölkert und in unmittelbarer Nähe der Wohnquartiere gab es kleinere und terrassenförmig angelegte Gärten.
Beim Anblick der Vielzahl von gehörnten Vierbeinern kam bei mir die Frage hoch, wo die alle wohl im Winterhalbjahr Unterkunft und Nahrung finden würden. An den mir bekannten Küsten habe ich zu den Zeiten nur wenige Schafe und / oder Ziegen ausmachen können.
Nach der Passage des Karahasan-Passes in 1.750 m Höhe weitete sich das Tal und gab den Blick auf große Getreidefelder frei. Ende März lag hier noch Schnee und im letzten Oktober war die Erde mangels Wasser bereits verbrannt, bzw. die Schaf- u. Ziegenherden hatten alles abgegrast.
Etwa 11 km vor Taskent (wir waren bereits im März dort) bogen wir links auf die Landstrasse 07-33 nach Alanya ab. Auch diese Gegend kannten wir bisher nur vertrocknet oder weiß von Schnee. Jetzt war alles grün und wo das Bestellen von Feldern möglich war, wuchs Getreide.
Dann kletterte unser Fahrzeug auch schon wieder dem nächsten Pass entgegen. Es wartete der Curkuryurt Gecidi in 1.925 m Höhe. Aber erst gönnten wir uns noch einmal einen Blick zurück ins nunmehr farbenprächtige Hochtal.

Panoramabild 1Die nun folgende Strecke am Gevne cayi entlang (das stark angeschwollene Flüßchen mündet später in das Ermenek Cayi) kannte ich ja bereits von den vorherigen Touren. Daher war uns der Rastplatz direkt am Fluß auch noch in Erinnerung. Hier legten wir eine Pause ein und verzehrten die Reste unserer Einkäufe. Dabei sinnierten wir über die Begriffe Nehri = Fluß, Cayi = Flüßchen und Dere = Bach.
Die Strasse war recht staubig, weil wohl etwas viel Schotter aufgetragen und gewalzt worden war. Ein vorausfahrendes Fahrzeug konnte einem wirklich den Atem nehmen. Allah sei Dank war nicht viel Verkehr.
An einem der öffentlichen Grillplätze, der bereits in Betrieb war (die türkischen Sommerferien hatten bereits begonnen) hielten wir noch einmal kurz an, um je zwei Cay zu trinken und ein Gözleme zu essen (zusammen 4 TL). Dann ging es auch schon weiter. Vorbei an Karapinar - die Tankstelle war leider bereits geschlossen. Dabei leuchtete das rote Lämpchen schon eine ganze Weile. Aber es half nichts. Die nächste Möglichkeit zu tanken bekam ich erst in Alanya.
Daher fuhr ich so spritsparend wie möglich dem Bergkamm entgegen, dem der aufregendste Strassenabschnitt (immer am Fels klebend) folgte. Denn von dort ging es fast nur noch bergab.
Die Bilder in der Fotogalerie geben leider nur einen kleinen Teil des Streckenverlaufs wieder. Sehr schmale Strasse; kaum gesicherte Kantenabbrüche; selten Leitplanken; unübersichtliche Kurven. Aber das im März noch vorgefundene herabgefallene Geröll war bis auf einen großen Brocken bereits fortgeräumt.
Das Benzin reichte dann doch noch bis Alanya! Gut 100 km auf Reserve! Bei der nächsten Tour tanke ich früher, oder nehme einen Reservekanister mit. Trotzdem war das mal wieder ein “fast” streßfreier Ausflug, der uns neue Ziele für kommende Touren vor Augen geführt hat.
Sicherlich geht es noch einmal nach Ermenek. Dann wird dort aber im Selcuclu-Otel übernachtet.

© Heinz-Ulrich Hartung                         letzte Überarbeitung: 07.12.2015