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Eine Tour durch das Gebirge hinter Avsallar

Schon vor unserem letzten Urlaub hatten wir uns vorgenommen, uns noch einmal einen Wagen zu mieten und durch das Taurus - Gebirge zu fahren. Dies verwirklichten wir während unseres Aufenthaltes in Avsallar im Oktober 2006.
Auf einer nicht sehr detaillierten Karte (es gibt keine perfekten Strassenkarten über die Türkei und wenn doch, dann sind Ortsnamen und Strassenverbindungen oft fehlerhaft. Auch habe ich keine Karte mit geringem Maßstab gefunden. Kleinere Orte oder Nebenstrassen / Wege wirst du daher auf den üblichen Karten 1:750.000 selten finden. Ich glaube fast, da hat das Militär noch seine Hand im Spiel.) suchten wir uns eine Strecke heraus, die uns ins Hinterland führen sollte. Denn die Berge, die wir von unserem Hotel aus sahen, waren recht verlockend.
Wir wollten auf der D400 Richtung Alanya in Konakli nach Norden (links) abbiegen und über Güzelbag, Gündogmus und Cicekoluk der Landstrasse folgen, die irgendwann auf die D695 trifft (Verbindung Manavgat - Konya). Von dort Richtung Küste, um wieder auf die D400 zu stoßen. Insgesamt ca. 150 km, davon gut 100 km durch die Berge. Soweit meine Planung.
hinter Avsallar TourGesagt, geplant, getan. Im Mietwagen brausten wir die D400 entlang und auch die etwa 25 km bis Güzelbag ließen sich noch sehr gut auf einer verhältnismäßig breiten Strasse bewältigen. Noch vor dem Ort, wurde uns auf einer Hinweistafel ein “vertikaler” Wasserfall offeriert. Das machte uns natürlich neugierig. Also parkte ich unser Fahrzeug. Es führte ein ausgebauter Weg in Serpentinen hinab. Unten angekommen sahen wir nur einen Flußlauf, der in mehreren Katarakten urwüchsig dem Meer entgegenstrebte. Allerdings war er an einer Stelle mittels Felsen und Steinen angestaut und bot somit eine kleine Badestelle, die auch als solche ausgezeichnet war. Der ganze Platz war gesäumt von Sitzecken. An einer Stelle war sogar eine richtiges WC aus Mauersteinen errichtet worden. Der Dreck geht wahrscheinlich etwas weiter unten in den Kargi cayi, denn als diesen konnte ich das Gewässer auf der Karte und auf dem Hinweisschild an der Strasse ausmachen. Der Ausschank und die Küche (beides unter Plastikplanen) waren nicht besetzt. Der Betreiber hatte wohl einige Besorgungen zu erledigen. Dafür hüpfte und hechelte ein noch junger Hund um uns herum. Da wir keinem Imbiß oder Ayran bekommen konnten, stiegen wir wieder den Berg hinauf und setzten unsere Fahrt fort.
Nach Güzelbag, ein Ort, zu dem es sich lohnen würde einmal gesondert zu fahren (schöne, neue Fußgängerzone, preiswerte Einkaufsmöglichkeiten), kamen wir in die richtigen Berge. Es ging in Serpentinen nach oben, an Steilhängen entlang, über Hochebenen hinweg, um dann wieder durch viele Kurven in ein Tal abzutauchen. Die Strasse war jetzt ziemlich schmal. Zwei Lkw hätten Mühe gehabt problemlos aneinander vorbei zu kommen. Und wir begegneten Lkw´s. Einmal schlich solch ein Fahrzeug unmittelbar hinter einer Kurve in Schrittgeschwindigkeit vor uns her, sodaß ich heftig in die Eisen mußte, als ich das steinzeitliche Ungetüm vor mir sah. Dabei fuhr ich selbst höchstens 50 km/h. Ein anderes Mal mußte ich mindestens fünf Kilometer hinter einem Lastwagen herfahren, bevor ich die Gelegenheit bekam, daran vorbei zu ziehen.
Wir durchquerten Zedernwälder, fuhren an Hochalmen vorbei, sahen armselige Bergbauernhöfe und auf einem gegenüberliegenden Bergrücken einen Ort (Ümütlü), den wir erst in vielen Minuten, wenn nicht sogar Stunden erreichen würden. Rastplätze, bzw. Möglichkeiten anzuhalten fanden wir zwischendurch immer wieder. Somit konnten wir das herrliche Panorama ausgiebig bewundern und mit der Kamera festhalten. In etwa 1000 m über NN beobachteten wir einen Landwirt beim Bestellen seines Ackers, sahen Schafherden über die Felsen ziehen und fotografierten zwei Bäuerinnen, die ein großes Bündel Reisig nach haus schleppten.
An einer anderen Stelle hielten wir wieder an, weil wir die Reste einer Burg zu erkennen glaubten. In der Tat, auf dem kleinen Gipfel stand wirklich eine Ruine. Aber die war doch etwas zu klein geraten, um als Burgruine gelten zu können. Als ich den Hügel umrundete entdeckte ich eine große Anzahl Bienenkästen. Hier wird also der berühmte Türkische Honig geerntet! ;-). Und an dem Steilhang des gegenüberliegenden Berges konnte ich die Strasse ausmachen, welche wir vor circa einer Stunde befahren hatten.
Dann erreichten wir Gündogmus und wußten nicht mehr weiter. Keine Ausschilderung! Also beschloß ich, meiner Nase nach zu fahren. Links. Ich folgte der Teerstrasse bis zum Ortsausgang. Dann wurde es mit dem Teer weniger und die Strasse wurde zu einer holperigen Piste. Und da vor uns ein Motorrad den Weg befuhr, traute ich mich auch, ihm weiter in die Wildnis zu folgen. Irgendwann wird es schon wieder besser werden, hoffte ich. Aber der Weg wurde immer schlechter. Er folgte dem Berghang und schien in ein Tal hinabzuführen. Aber noch war ich mutig. Dann sah ich vor uns das Motorrad mit den zwei Männern stehen, die uns bedeuteten, anzuhalten. Mit Händen und Füssen verständigten wir uns darüber, daß es nicht ratsam sei, diesem Weg weiter zu folgen. Er würde nicht besser, sondern eher noch schlechter. Außerdem führe er nicht dorthin, wo wir hinwollten. Also kapitulierte ich, und wendete mit der Hilfe unserer Wegelagerer auf dem schmalen Weg das Fahrzeug, um die etwa 5 Kilometer zurück nach Gündogmus zu fahren.
Im Ort fand ich eine Tankstelle in der ich mich nach dem weiteren Strassenverlauf erkundigte. Auch hier sprach man(n) zwar kein deutsch, konnte mir aber dennoch begreiflich machen, daß wir nur geradeaus fahren müßten.
Wieder ging es berghoch und bergab. Kurven, Kurven, Kurven. Ich habe bestimmt genauso viel Kurven umschifft, wie unser Busfahrer auf der Tour nach Anamur. Diese Strecke ist ganz sicher nichts für Leute, die im Flachland aufgewachsen sind. Und erst recht nicht für Holländer mit Wohnwagengespann. Aber es war sehenswert, darin waren wir uns einig. Und ich hoffe, daß die Bilder in der Fotogalerie einen Eindruck über die schöne Landschaft vermitteln. Auf daß du Lust bekommst, diese Tour auch mal zu unternehmen.
Und wenn du fährst, dann fahre zeitig los. Gleich nach dem Frühstück. 120 Kilometer sind nicht viel, aber in den Bergen, bei den vielen Kurven und Aussichtsstellen kommen ganz schnell 5 bis 6 Stunden zusammen. Und bei Einbruch der Dunkelheit solltest du die Berge (und besonders die schmalen Strassen) verlassen haben. Einen unbeleuchteten Lkw oder Trecker übersieht man ganz schnell. Von frei herumlaufenden Schaf- oder Ziegenherden ganz zu schweigen.

In diesem Sinne: Fahr vorsichtig. Und Hals und Beinbruch!

Und wenn du diese Fahrt nachvollziehen willst, kannst du selbstverständlich auch anders herum fahren. Dann lohnt sich auch ein kleiner Abstecher zu den alten Sesam - Wassermühle bei dem kleinen Ort Murtici.
Fahr einfach auf der Strasse nach Konya an der Abzweigung nach Gündogmus vorbei. Und nach einigen Kilometern wirst du im Tal den Ort Murtici sehen. Nimm rechts die 2. Einfahrt in den Ort. Nach wenigen hundert Metern geht links ein Schotterweg ab, der dich unter der Fernstrasse hindurch in die Botanik schickt. Der Weg zur Mühle ist ausgeschildert. Immer am Fluß entlang.
Abgesehen von der rustikalen Natur, die dir sicher gefallen wird, bekommst du an der Mühle von Mehmet Dönmez (es ist nicht der Käpitän gleichen Namens von der Dönmez I in Güllük - siehe Bootstrip Güllük) frisch gebratene Forellen mit allem “Pipapo” serviert. Ein lohnenswerter Gaumenschmaus! Die ganze Anlage ist wirklich sehenswert. Und im Hochsommer kannst du dich auch noch in dem angestauten Mühlenteich abkühlen.

© Heinz-Ulrich Hartung                         letzte Überarbeitung: 07.12.2015