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Messestadt Hannover, ...

... nur unter diesem Begriff wird die Metropole Niedersachsens leider immer wieder definiert. Zwar verfügt die Leine-Stadt nicht über das - kaum noch vorhandene - Flair der Isar-Metropole München oder über die längste Theke der Welt, wie Düsseldorf. Auch ist Hannover nicht das Zentrum des Karnevals, aber immerhin Ausrichter des größten Schützenfestes der Welt mit rund 1,5 Mio. Besuchern. Auch kann die Stadt mit dem “hippen” Berlin nicht mithalten oder mit der hanseatischen Atmosphäre einer Hansestadt Hamburg aufwarten. Aber hat Hannover das nötig? Ich meine: nein. Als Ausrichter der Hannover Messe, der weltgrößten Computermesse CEBit und der EXPO 2000 ist die Stadt in der Welt zwar bekannter als die meisten anderen Großstädte Deutschlands, aber darüber wird vergessen, daß die Stadt an der Leine viel mehr zu bieten hat. Geschichtlich, wie auch kulturell.
Wußten Sie z. B. daß Hannover die Jazz-Hochburg in Deutschland ist? Oder daß Hannover mit seinen barocken Herrenhäuser Gärten, dem Maschpark, dem Welfengarten, dem Stadtpark - Standort des BuGa 1951, dem naturnahen Hermann-Löns-Park, dem Hinüberschen Garten im englischen Landschaftsstil, den EXPO-Gärten und einer Vielzahl von Stadtteilgärten eine wahrhaft “grüne Stadt” ist? Und nicht zu vergessen den besucherstarken Erlebniszoo Hannover.
Das Angebot an Gastronomie und Nightlife in der Stadt ist vielfältig - edle Restaurants, gutbürgerliche Küchen und internationale Spezialitätenhäuser sind vertreten. Spargel aus dem Burgdorfer Land ist im Frühjahr ein Genuß - vor allem die Restaurants in der Region sind bekannt für ihre vortrefflichen Spargelgerichte. Und in der kalten Jahreszeit bestimmt “Brünkohl mit Bregenwost” die Hannoversche Küche (Grünkohl - ehemals rötlich-braun - mit einer Hirnwurst).
Eine Getränkespezialität Hannovers gibt es allerdings nur zum weltgrößten Schützenfest mit über 10.000 Teilnehmern und mehr als 60 Wagen und Kutschen beim Schützenausmarsch: die “Lüttje Lage” (siehe Foto in der Galerie). Bier und Schnaps auf einen Streich zu konsumieren, bedarf schon etwas Übung. Daher bekommen Anfänger auch oft ein Lätzchen umgebunden. Aber trotz etlicher Versuche wird die Nase trotzdem einen Tropfen Korn abbekommen. Also: “Nich´ lang snacken, Kopp in Nacken.”
Exotische Küche findet man ebenso in Hannover, dabei ist für jeden Geschmack etwas dabei. Nach einem guten Essen ist die weitere Gestaltung des Abends in Hannover leicht: Elegante Bars, urigen Kneipen - nicht nur in der Altstadt, etliche Biergärten, moderne Diskotheken und viele Bühnen mit Live-Auftritten locken mit spannendem Programm, süffigen Getränken und guter Musik.
Studentenkneipen, Großraumdiskotheken, Bars, Jazz-Clubs, Lounges, Szenecafe´s - die Stadt bietet viele Treffpunkte für Nachtschwärmer. In den verschiedenen Stadtteilen findet man die unterschiedlichsten Veranstaltungsorte, in denen man die Nacht zum Tage werden lassen kann. Oper, Theater, Bühnen und Kinos runden das Angebot ab.
Von den ersten Siedlungen am Hohen Ufer der Leine aus dem Jahr 950 bis hin zur Gastgeberstadt für die EXPO 2000 ist eine lange Zeit vergangen. Dazwischen liegen die Bestätigung der Stadtrechte durch Otto dem Kind, dem Herzog zu Braunschweig und Lüneburg im Jahr 1241; das eigene Münzrecht 1438; die Erfindung eines hellen Bieres 1526; die Reformation 1533; der Aufstieg zur Residenzstadt 1636; und eine 123 Jahre währende Personalunion mit England von 1714 bis 1837, während der die hannoverschen Könige gleichzeitig die Könige von England waren. Hannover ist mehrfach von fremden Truppen besetzt worden, wurde 1814 zum Königreich erklärt, 1866 durch Preußen annektiert und preußische Provinzhauptstadt - und ist seit 1946 Hauptstadt des Bundeslands Niedersachsen.
Gelehrte haben in Hannover gewirkt, allen voran das Universalgenie Gottfried Wilhelm Leibniz, der Erfinder des “binären Zahlensystems” - das die Grundlagen für die heutigen Computer bildete. Viele andere Künstler und Wissenschaftler lebten oder wirkten in Hannover, so der der Komponist Georg Friedrich Händel, der Dichter Gottfried Benn, der hier seine Gedichte schrieb, und der weltbekannte Dada-Künstler Kurt Schwitters. Heute ist es die berühmte Rockgruppe “Scorpions”, die auf ihren Welttourneen die hannoverschen Farben vertritt oder die Band "Fury in the slaughterhouse". Etliche Hannoveraner haben sich in der Welt einen Namen gemacht: Emil Berliner erfand das Grammophon und die Schallplatte, Anfang der 60er Jahre entwickelte Professor Walter Bruch in Hannover das PAL-Farbfernseh-System. Hier fuhr der erste Kleinwagen von Hanomag, Continental präsentierte den ersten Pkw-Reifen der Welt mit profiliertem Laufstreifen, und seit über hundert Jahren wird hier der Leibniz-Keks von Bahlsen gebacken.
Weitere Hannoveraner Persönlichkeiten waren der Philosoph August Wilhelm Schlegel, der Schauspieler A. W. Iffland sowie der Gründer des “Nachkriegs”-SPD-Ortsverbandes Kurt Schumacher

Auch das nahe Umland lädt bei mehrtägigen Aufenthalten zu Besuchen ein. Die Naherholungsgebiete Deister (mit Wisentgehege) oder das Steinhuder Meer mit seinem Angebot an frisch geräuchertem Aal. Aber auch das nahe gelegene Celle mit seiner Fachwerk-Altstadt und der jährlich stattfindenden “Celler Hengstparade” sind einen Ausflug wert.

© Heinz-Ulrich Hartung                         letzte Überarbeitung: 07.12.2015