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Herakleia am Latmos - zu Besuch in einem Kuhdorf

Diesen Ort erreicht man nur schwer von der Türkischen Riviera aus. Aber aus dem Bereich Bodrum oder Kusadasi kann man sehr gut eine Tagestour nach Herakleia unternehmen. Man biegt in Bafa nach Kapıkırı Köyü ab. Denn dieses „Kuhdorf“ liegt inmitten der Überreste von Herakleia am Bafa Gölü.
Wir nahmen also die acht Kilometer von Bafa Köyü unter die Räder. Rechts und links Olivenhaine, Baumwoll- und Maisfelder sowie Kuhweiden. Rot leuchteten die reifen Granatäpfel von den Bäumen am Straßenrand.
Wir passierten Bolyaka und erreichten kurz darauf Kapıkırı. Am Ortseingang bezahlten wir insgesamt 6 TL für die Besichtigung dieser Sammlung alter Steine unter freiem Himmel.
Im Ort fanden wir auch einen großen Parkplatz neben der „Ilkokulu“ (Grundschule), auf dem bereits ein Wohnmobil aus Italien stand. Kaum waren wir ausgestiegen, wurden wir von mehreren Bäuerinnen bedrängt, die uns ihre selbstgefertigten Souvenirs aufschwatzen wollten. Was wir aber höflich ablehnten. Und so begannen wir unseren Gang durch das unter Denkmalschutz stehende Dorf und die Reste der alten griechischen Stadt Herakleia.
Uns verwunderte dabei, daß jetzt im Oktober die Krokusse blühten. Das war zwar putzig, aber im der Türkei wohl völlig normal. Denn auch Schneeglöckchen hatten wir bereits im Oktober entdeckt.
Diese Gegend ist wirklich sehenswert, weil völlig anders geartet, als die uns so vertraute Türkei. Das Latmos-Gebirge, welches von den Einheimischen wegen seiner markanten Gipfelzacken „Fünffinger-Bergkette“ genannt wird, besteht nicht aus bröckeligem Kalkstein, sondern aus Granit und Gneis.
Zu Füßen der gelb-rosa schimmernden Gesteinsformationen liegt der Bafasee, der früher noch mit dem Ägäischen Meer verbunden war, bevor der mäandernde Fluß Büyük Menderes Nehri ihn irgendwann von der nahen Meeresbucht abriegelte. An seinem Ufer liegt Kapıkırı mit seinen etwas mehr als 300 Einwohnern, zwei Teehäusern, einer Moschee und wenigen Herbergen. Das Dorf wurde auf und von den Resten der griechischen Stadt Herakleia gebaut und gleicht einem Freilichtmuseum. Oberhalb des Ortes, hoch am Hang, liegen die Reste der karischen Stadt Latmos mit den in den Fels geschlagenen Treppen. Dieser Ort wurde von den Griechen nur noch als Friedhof genutzt.
Im Winter und im frühen Frühjahr ist der See Rastplatz für unzählige Zugvögel, und die Ornithologen haben ihre helle Freude beim Beobachten der Tiere, von Pelikanen und Flamingos bis hin zu seltenen Singvögeln.
Die beste Zeit, um hier auszuspannen ist vom Mitte März bis Ende Mai und von Mitte September bis Mitte November. Die Lufttemperaturen betragen dann zwischen 20° und 25°, also gerade richtig für ausgedehnte, auch geführte Wanderungen in und durch das Latmosgebirge. Die Wassertemperatur des schwach salzhaltigen Bafa Gölü liegt im Frühjahr bei 16° und im Herbst bei 27°.
Diese Informationen erhielten wir in der Agora Pension – etwas oberhalb der Grundschule, wo wir uns bei einigen Çay von der Wanderung erholten. Die Agora Pension bietet neben der Gastronomie noch 11 Fremdenzimmer und sogar einen Hamam – leider nur für Hausgäste – und hat seinen Namen von dem Platz auf dem sie erbaut wurde.

© Heinz-Ulrich Hartung                         letzte Überarbeitung: 07.12.2015