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Mit dem Mietfahrzeug nach Kas (von Kemer aus) April 2004

Bei „Abi“ bekamen wir nicht den Ford Escord, sondern einen ebenso neuen Honda Accord. Dieses Mal ließ ich aber mehr Sprit in den Tank füllen. Denn die einfache Strecke nach Kaş betrug ca. 140 Kilometer. Und mit einigen gewollten Umwegen berechnete ich unsere Tagesleistung mit ungefähr 350 Km.
Wir befuhren die D400 Richtung Kumluca. Passierten Phaselis sowie die Abzweigungen nach Chimaera und Olympos. Als wir den letzten Berg erklommen hatten und auf Kumluca herabsehen konnten, glaubten wir unseren Augen nicht zu trauen. Die ganze Ebene glänzte silbrig. So als hätten die letzten Regenfälle das Tal überflutet oder jedes Haus wäre von riesigen Wasserbassins umgeben. Wir hielten auf der Höhe, auf einem Parkplatz an, um dieses Phänomen näher zu betrachten. Erst auf den zweiten Blick begriffen wir, was wir wirklich sahen: Treibhäuser. Das ganze Tal war voller Treibhäuser. Und nur vereinzelt sahen wir Grünflächen und Häuser. So etwas hatten wir beide noch nie gesehen. Zumindest nicht in so großer Ansammlung. Die wenigsten Gewächshäuser bestanden aus Glas. Kunststofffolien bestimmten das Bild. Plastik soweit unser Auge reichte.
Wir setzten unsere Fahrt fort und durchquerten den Ort. Auf gleicher Höhe mit den Treibhäusern, sahen wir die immensen Ausmaße natürlich nicht mehr. Der jetzige Anblick war erträglich. Nachdem wir das Meer erreicht hatten, führte die D400 an der Küste entlang. Zwischen der Strasse und dem Meer befand sich ein breiter Küstenstreifen, der mir ideal als Badestrand und für Hotelkomplexe erschien. Sicherlich werden auch hier bald die Bagger anrücken. Wir fuhren durch die kleine Stadt Finike und kamen kurz danach auf einen Strassenabschnitt, der direkt an der Steilküste entlang nach Kale führte. Die Strecke hatte es in sich.
Keine Fahrbahnmarkierungen und keine Leitplanken, welche die Fahrzeuge vor einem Sturz in die Tiefe absicherten. Dieser Teil der D400 war äußerst schmal und kurvenreich. Wir trauten uns kaum, nach unten zu schauen, wo die Brandung gegen die Felsen schlug. Und daß die fehlenden Leitplanken ihren Tribut forderten, haben wir mehrfach entdecken können. Lagen doch einige Lkw- und Pkw-Wracks im ufernahen Mittelmeer. Spannend wurde es auch, wenn uns ein Fahrzeug entgegen kam. Aber es war genug Platz. Allerdings hatte ich die Befürchtung, daß sich Lkws und Busse nur schwerlich passieren konnten. Zumindest die Außenspiegel mußten dann eingeklappt werden. Ein Abschnitt dieser Strasse war sogar so schmal, daß hier eine Ampel installiert war. Dieses ganze schaurig-schöne Teilstück der D400 war etwa 14 Kilometer lang. Ein Erlebnis, von bleibendem Wert.
Wir umrundeten bei Yukanbeymelek eine große Bucht, die gegen das Mittelmeer durch eine lange Halbinsel abgesichert war und fast schon wie ein Binnensee wirkte. Hinter Kale ging es wieder die Berge hinauf. Der Anblick der felsigen, von Büschen und spärlichem Gras bewachsenen Hügel begleitete uns bis Kaş.
Kurz vor diesem Ferienort, noch auf einem der Berge, war ein Parkplatz eingerichtet. Von hier hatten wir einen herrlichen Blick auf die buchtenreiche Küste, viele kleine und große Inseln und den Ort Kaş. Ein Postkartenpanorama.Kas Panorama
Im Hintergrund die südlichste Insel Griechenlands: Megisti, bzw. Kastellorizo, bzw. Meis.

Unten angekommen, parkten wir unser Fahrzeug am Hafen und tranken vor einem in der Nähe befindlichen „Restoran“ einen Ayran. Hunger hatten wir noch nicht. Die Wirtin sprach ein paar Brocken deutsch und war sehr nett.
Die Besichtigung dieses wirklich malerischen Städtchens war ein Vergnügen. Noch hatte sich kein Tourist zu dieser frühen Jahreszeit bis hierher verlaufen. Saison war noch nicht. Wir wanderten durch schmale, gepflasterte Gassen. Die weißen Häuser mit den typischen, überdachten Holzbalkonen waren allesamt renoviert. Oberhalb der felsigen Küste reihte sich ein kleines Hotel an das andere. Diese Ferienunterkünfte waren, zumindest von der Fassadenansicht, völlig unterschiedlich. Einige zeigten die griechische Bauweise mit den eben erwähnten hölzernen Balkonen, andere wollten den Nachbarn mit einem riesenhaften Säulenvorbau im Eingangsbereich ausstechen, wieder andere zeigten aus Naturmauerwerk gestaltete Fassaden. Und überall wurde gewerkelt. Es blieben wohl nur ein paar Tage, bis die Touristen wieder in die Stadt einfielen. Alle Hotels boten einen Swimmingpool. Größtenteils aber im Gebäude. Somit wohl auch beheizt. Im Meer wäre es sicherlich auch noch viel zu kühl gewesen. Einen Strand gab es unmittelbar vor den Hotels nicht. Und um an das Meer zu gelangen, mußte der Urlauber über etliche Stufen nach unten steigen. Aber an jeder nur möglichen Stelle hatten die Betreiber der einzelnen Hotels kleine und große Terrassen anlegen lassen, um Sonnenliegen aufstellen zu können oder eine „Strand-Bar“ zu errichten. Ins Meer kam der Urlauber nur über Treppen oder Pontons. Dieses charmante Städtchen war nichts für Leute, die Sonne, Sand und Meer brauchten. An Sand fehlte es sehr. Hier war eher ein Eldorado für Sport- und Hobbytaucher.
Wir wanderten wieder durch menschenleere, idyllische Gassen und einen sehr schön angelegten Marktplatz zurück zum Hafen. Hier lagen nur wenig Boote und Yachten. Aber die ersten, mit gläsernen Rümpfen versehenen Ausflugsschiffe warteten bereits auf die neuen Urlauber, die sie zu der versunkenen Stadt schippern wollten. Die Insel Kekova mit einer aufgrund eines Erdbebens versunkenen Stadt lag nicht weit entfernt. Bei der „Versunkenen Stadt Kekova“ handelte es sich um Überreste an Land (Türstöcke, Wände, Treppen, Wasserkanäle, Zisternen, usw.) und unter Wasser befanden sich Mauerreste aus Hafenanlagen, Bäder und Amphoren welche durch die Glasböden der Ausflugsschiffe angeschaut werden konnten.
Wieder zurück auf der D400, machten wir uns auf den Rückweg, um kurz darauf wieder Richtung Küste abzubiegen, denn wir wollten noch das Fischerdörfchen Üçagiz besuchen, welches der Insel Kekova gegenüber lag. Meine Begleiterin war während eines Urlaubes, genannt „Blaue Reise“, von Meer her kommend, schon einmal in diesem Ort und fand ihn ganz bezaubernd. Die Strecke war ausgeschildert. Über Kılςlı, einem kleinen Bauerndorf, welches in einem Tal liegend, etliche Treibhäuser mit Paprika und Zucchini aufwies, erreichten wir nach ungefähr 15 Kilometer das Fischerdörfchen an der felsenreichen Küste. Auf dem Weg dorthin durchfuhren wir eine wildromantische Gegend. Wir mußten dabei häufig sehr aufmerksam fahren, denn links und rechts der schmalen Strasse knabberten wilde Ziegen an den Büschen und dem wenigen Gras. Dabei nahmen sie keine Rücksicht auf unser sich ihnen näherndes Auto, sondern querten die Strasse nach Gutdünken. Üçagiz selbst war wirklich noch ein Fischerdörfchen. Es gab außer den weit auseinander liegenden Wohngebäuden nur noch ein großes Restaurant mit Hotelbetrieb am Hafen und eine kleine Pension. Aber selbstverständlich auch eine Moschee mit einem Minarett und einen Kramladen. Wir nutzten das schöne Wetter sowie die Abstinenz von weiteren Urlaubern und wanderten zwischen den Häusern hindurch. Die Plastikwasserleitungen lagen offen neben den Wegen, was darauf schließen ließ, daß hier kaum mit Frost zu rechnen war. Im gesamten Gebiet dieses Ortes fanden wir viele Überreste aus der Zeit der Römer (als Apollonia), Byzantiner und Lykier. Nämlich Ruinen von deren Wohnhäusern, Thermen und Aquädukten. Ganz fein verfugte Mauerreste ehemaliger Befestigungsanlagen und etliche, leider geplünderte, steinerne Sarkophage. Nach diesem Rundgang fernab von Wegen und Strassen, hatten wir zum ersten Mal das Gefühl, geschichtsträchtigen Boden unter den Füssen gehabt zu haben.
Durch die karge Felsenlandschaft um Kapakli erreichten wir bald wieder die Hauptstrasse nach Kale. Fuhren an Myra vorbei, der Stadt in der einst der heilige Nikolaus residierte, und hatten auch bald wieder den am steilen Küstenfelsen klebenden Strassenabschnitt vor uns. Nun hatten wir eine noch bessere Sicht auf die weit unter uns liegende, felsige Küste. Denn wir befuhren jetzt die dem Meer zugewandten Seite der Fahrbahn. Meine Begleiterin sprach kein Wort. Aber ich habe sie während der Fahrt und auch später nie darüber befragt, wie ihr bei dieser Passage zu Mute gewesen war.
Die Bucht von Finike hatten wir schnell hinter uns gelassen, wie auch die Plastikstadt Kumluca. Nur noch 40 Kilometer bis Kemer lagen vor uns.

Mehr über Kas findest du hier.

 

Reste des antiken Antiphellos in Kas

1 Sarkophage
2 lykische Felsengräber
3 dorisches Grabmal
4 Theater
5
Königs-Sarkophag
6 hellenistischer Tempel
7 Seemauer

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© Heinz-Ulrich Hartung                         letzte Überarbeitung: 07.12.2015