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Milet - eine ehemalige Hafenstadt

Wer den Bafa See und Herakleia besucht, hat es auch nicht mehr weit nach Milet.
Diese antike Stadt erreichten wir, indem wir auf der D525 den Bafa Gölü auf seiner westlichen Seite umfuhren. Bei Dalyan mußten wir diese Straße allerdings Richtung Westen verlassen, durchquerten Yeniköy, um kurz darauf, in Akköy einem erneuten braunen Schild folgend, rechts abzubiegen. Jetzt waren es nur noch - über Balat - 5 Kilometer bis zu unserem Etappenziel.
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            Das Theater von Milet mit dem byzantinischen Kastell im Hintergrund
In Milet bezahlten wir zweimal 3,50 TL Eintritt und konnten daraufhin das gesamte Gebiet durchstöbern (was uns im Frühjahr schwer gefallen wäre, weil dann weite Bereiche überflutet sind) und sogar das Museum besuchen. Dieser gemäßigte Eintritt war wirklich sein Geld wert.
Milet verfügte einstmals über zwei große Häfen (siehe Karte unter Herakleia) und hatte rund 80.000 Einwohner. Handwerkskunst wie Mode und Möbel „made in Milet“ waren damals weithin berühmt und begehrt. Die Stadt überstand Kriege sowie die Eroberung und Plünderung durch die Perser.
Dreimal erlebte Milet eine Blütezeit. Seinen Untergang erzwang kein Feldherr, sondern die Laune des nahen Flusses. Der große Fluß Mäander (heute Büyük Menderes Nehri) schob stetig seine Last aus Geröll und Sand immer weiter ins Meer hinaus. Die Küste wanderte nach Westen, weg von der einst mächtigen Stadt.
Jetzt im Oktober blühen gelbe Krokusse zwischen den Ruinen. Und es grasen Schafe in der schachbrettartigen Anlage der antiken Großstadt mit Einkaufs-Arkaden und gigantischem Theater. Aber auch die Landschildkröten verschmähen nicht das saftige Grün zwischen den Trümmern. Der Apostel Paulus hatte Glück: Er erlebte diese Stadt in besseren Tagen.
Unsere Weiterfahrt erfolgte dann durch eine Landschaft von geradezu dramatischer Reizlosigkeit. Bis an den Horizont dehnen sich die Baumwollfelder im brettebenen Schwemmland des Büyük Menderes Nehri. Und den Weg der Baumwolle konnte man an der Straße bis zum Sammelplatz in Priene verfolgen.

Milet war bereits vor 6000 Jahren bewohnt. Aber erst nach der Besiedelung durch die Ionier im Jahre 1000 vor unserer Zeitrechnung wurde Milet zum Zentrum des Handels und zu einer der wichtigsten Städte der damaligen Welt. Milet gründete Kolonien am Schwarzen Meer und bis nach Ägypten; die französische Stadt Marseille ist eine Gründung von Milet. Der Reichtum der Stadt beruhte in erster Linie auf Handel. Der einzige Gott, der damals hier etwas zählte, war Gott Mammon.
Wie die rechte Schwurhand ragte damals die Halbinsel Milet in das Ägäische Meer. Zwei große Häfen, einer unmittelbar am Theater, bot Platz für Schiffe aus allen Ländern der damaligen Welt. Der Fluss Mäander bewirkte durch das Heranführen von Sedimenten die Verlandung von Milets Häfen und der kompletten alten Küstenlinien. (siehe Herakleia am Latmos)
So ist aus einer Weltstadt mit einst großen Seehäfen ein betuliches Landdorf geworden. Die Meeresküste ist heute etwa sieben Kilometer weit weg.
Von Milet führte eine 15 km lange Prozessionsstraße nach Didyma, in der sich das Orakelheiligtum des Apollon befand. Aber Reichtum und Wohlstand wecken Begehrlichkeiten. So wurde Milet von den Horden des Persers Darius dem Erdboden gleichgemacht. Die meisten Milesier wurden getötet oder in die Sklaverei verschleppt.
Die Stadt wurde wieder aufgebaut, und die Straßen wurden erstmals in einem Schachbrettmuster angelegt, dessen Erfinder der Milesier Hippodamos war. Die Stadt Milet erreichte jedoch nie wieder die Bedeutung, die sie zuvor inne hatte, da Ephesos (bei Selcuk) als neues Zentrum auserkoren war.
tor milet berlin
Ein prunkvolles Bauwerk Milets aus dem 2. Jh. n. Chr., das sogenannte Markttor, befindet sich im Pergamonmuseum in Berlin.
Ein berühmter Milesier war Thales. Er war der erste, der die Lösung der Geheimnisse der Welt nicht mehr den "Göttern" überließ. Er sagte den Menschen von Milet die Sonnenfinsternis vom 28. Mai 585 v. Chr. voraus. Er berechnete die Höhe der Pyramiden über die Schattenlänge und teilte das Jahr in 365 Tage ein. Thales war Mathematiker ("Satz des Thales") und gilt als Begründer der Philosophie und der Wissenschaft. Er hinterließ keine Schriften und keine Kinder (laut Diogenes "aus Liebe zu den Kindern").

(Quelle: heinzalbers.org)

© Heinz-Ulrich Hartung                         letzte Überarbeitung: 07.12.2015