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Erstbesucher

Der Harz ...

... oder besser “der Oberharz” war die Region, in der ich meine Kindheit und Jugend verbracht habe. Damals kam ich allerdings nur bis zur “Zonengrenze”. Und den Brocken, mit 1.141 m die höchster Erhebung des Harzes, habe ich nur aus der Ferne betrachten können. Aber vom Torfhaus oder bei Hohegeiß (Jugendherberge) konnte ich in die damalige “Ostzone” blicken und wünschte mir zu der Zeit, eines Tages auch mal des Ostharz besuchen zu können. Dieser Wunsch ist ja mit der Wiedervereinigung der beiden Deutschen Staaten in Erfüllung gegangen.

In den 50er und 60er Jahren des letzten Jahrhunderts hatte ich genug Gelegenheit die westliche Seite des Harzes zu erfahren und zu erwandern. Angefangen in meiner Geburtsstadt, der ehemaligen Hanse- und Freien Reichsstadt Goslar, mit der monumentalen Kaiserpfalz (die von Heinrich III. als Hauptsitz auserkoren wurde) und dem renommierten Mönchehaus Museum. Die einzigartige Atmosphäre in den schmalen mittelalterlichen Gassen oder auf dem belebten Marktplatz mit Rathaus und Hotel Kaiserworth beeindruckten mich schon damals. Aber uns Kinder und Jugendliche faszinierten die Wehranlagen, wie Breites Tor, Zwinger und die Wallanlagen. Hier konnten wir herrliche Geschichten spinnen. Oder wir fanden verschüttete Eingänge zum Stollensystem des Bergbaus im Rammelsberg. Ausgerüstet mit Kerzen und Taschenlampen stöberten wir in den langen schmalen Gängen herum und hofften, auch etwas von dem Gold und Silber zu finden, das der sagenhafte Ritter Ramm hier vor mehr als 1000 Jahren entdeckte.
Später besuchte ich dann auch andere Städte und Dörfer des Oberharzes: Bad Harzburg, Braunlage, Hohegeiß, Clausthal-Zellerfeld, Altenau, Hahnenklee, Buntenbock, Torfhaus u.v.m.. Einerseits um auf den bereits damals gut ausgebauten Wanderwege die Natur zu erkunden (Pilze und Blaubeeren sammeln) oder um in einem der vielen Teiche des Harzer Wasserregal baden zu gehen. Und da die Winter damals noch Winter waren, waren wir in der kalten Jahreszeit natürlich auch auf den diversen Skipisten und Loipen zu finden.

Inzwischen sind das Erzbergwerk Rammelsberg (in Betrieb bis 1988) und die Altstadt von Goslar 1992 zum UNESCO- Weltkulturerbe erklärt worden. Eine Auszeichnung, die die Zeugnisse des Bergbaus und der Stadtgeschichte Goslars zu einem der wertvollsten Kulturdenkmale Deutschlands macht. Der Rammelsberg ist heute als Museum und Besucherbergwerk zu besichtigen.
Viele Besucher kommen nicht nur zum Weihnachtsmarkt nach Goslar, sondern auch zum Schützenfest, welches jährlich - gemeinsam mit dem Hannoveraner Schützenfest - am Freitag vor dem ersten Montag im Juli beginnt und 10 Tage dauert. Dieses Volksfest, eines der größten in Niedersachsen, wird durch den ältesten Schützenverein Deutschlands repräsentiert: die Privilegierte Schützengesellschaft Goslar von 1220 e.V.

Da ich inzwischen berufsbedingt aus Goslar fortgezogen war, vergingen doch noch etliche Jahre seit der Wiedervereinigung, bis ich es schaffte, auch den “Ostharz” zu bereisen. Quedlinburg, Halberstadt, Harzgerode, Werningerode und etliche der kleineren Orte habe ich mir angesehen, als die Renovier- und Restaurierungen der zu DDR-Zeiten verfallenen alten Städte bereits fast vollständig abgeschlossen war. Und ich konnte feststellen, daß der “Soli” hier segensreich gewirkt hat. Hübsch sind sie geworden, die Orte und Städte im Ostharz. Auch die Straßen waren vorzüglich ausgebaut, sodaß man sofort bemerkte, wenn man wieder eine “westdeutsche Rüttelstrecken” unter die Räder bekam.
Große Teile des 300 mio. Jahre alten Harzes (die Alpen sind dagegen noch “Teenager”) sind Naturpark. Der im Harz gelegene Nationalpark Harz wurde 2006 als erster länderübergreifender Nationalpark Deutschlands aus den beiden bestehenden Nationalparks Harz (Niedersachsen) und Hochharz (Sachsen-Anhalt) gebildet.

Nur im Oberharz, der auch Hochharz genannt wird (Landkreise Goslar und Harz), übersteigt das Gebirge im Brockenmassiv die Höhengrenze von 1.000 m ü. NN. Sein höchster Gipfel ist der Brocken (1.141 Meter), seine Nebengipfel sind die Heinrichshöhe (1.044 Meter) und der Königsberg (1.023 Meter). Weitere markante Erhebungen im Harz sind der Acker-Bruchberg-Höhenzug (927 Meter), die Achtermannshöhe (925 Meter) und der Wurmberg (971 Meter) bei Braunlage.

Der Bergbau als der große Erwerbszweig im Harz begann schon vor 3000 Jahren in der Bronzezeit. Dem Oberharzer Bergbau und dem Hüttenwesen verdanken die sieben Oberharzer Bergstädte (Clausthal, Zellerfeld, Bad Grund, Sankt Andreasberg, Lautenthal, Altenau und Wildemann) und rund 30 weitere Ortschaften im Harzinnern und am Harzrand ihre Blüte. Auch die 1000jährige, ehemalige Reichs- und Kaiserstadt Goslar, deren Glanz von den Erzschätzen des Rammelsberges abhing, förderte über mehrere Jahrhunderte silberhaltige Bleierze. Der Bergbau bestimmte maßgeblich das Harzer Wirtschaftsleben und sein Landschaftsbild. Die Bergleute schufen das berühmte technische System der Oberharzer Wasserwirtschaft, das Oberharzer Wasserregal mit 143 kleinen Talsperren, die zu einem großen Teil noch heute in Betrieb sind. Ohne deren Energieleistung hätte der Silberbergbau niemals seine hohe wirtschaftliche Bedeutung erlangen können. Diese Teiche und Gräben sind seit 1977 unter Denkmalschutz und wurden 2010 als UNESCO-Weltkulturerbe anerkannt.

Inzwischen stellt der Fremdenverkehr im Harz einen bedeutsamen Erwerbszweig dar. Es gibt viele Kurorte und nahezu jeder Ort im Harz und Harzvorland ist touristisch geprägt. Bekannte Ziele sind der Nationalpark Harz mit dem Brocken und die historischen Städte am Harzrand. Übernachtungsstärkste Stadt des Harzes ist Wernigerode, danach folgen Braunlage und Goslar.

Auch wenn der Wintersport im Harz nicht die Bedeutung anderer Mittelgebirge, wie Thüringer Wald, Erzgebirge, Schwarzwald oder gar der Alpen erreicht, gibt es genügend Wintersportmöglichkeiten. Zu nennen sind hier vor allem die Orte Altenau mit Ortsteil Torfhaus, Benneckenstein, Braunlage (mit Ortsteil Hohegeiß), Goslar-Hahnenklee, Hasselfelde, Sankt Andreasberg (mit den Ortsteilen Sonnenberg und Oderbrück) und Schierke. Dabei ist wegen der Höhenlagen und der Länge der Strecken der nordische Skisport vorherrschend. Internationale Wintersport-Wettbewerbe finden auf der Wurmbergschanze (90m-Anlage) bei Braunlage und der Biathlonanlage am Sonnenberg statt.

Erwähnenswert sind die zahlreichen Loipen im Harz. Ihre Qualität und Ausstattung werden von den Grundeigentümern, insbesondere dem in Teilen immer noch relativ schneesicheren Nationalpark Harz, und auch einzelnen Kommunen und Fördervereinen gewährleistet.
Im Sommer wird im Harz vor allem auf einem vorzüglich ausgebautem Wegenetz gewandert. Seit einigen Jahren wird auch vermehrt Nordic Walking betrieben.

Auf mehreren Talsperren im Harz wird vielfältiger Wassersport betrieben und auf einigen im Harz entspringenden Flüssen sind Kanufahren und verwandte Sportarten im Wildwasser möglich. Auf der Oker unterhalb der Okertalsperre finden auch nationale und internationale Kanu- und Kajak-Wettkämpfe statt. Das Wildwasser entsteht dort durch zeitweise erhöhte Wasserabgabe aus der Okertalsperre und ist somit weitgehend witterungsunabhängig.

Einige Berge bieten eine gute Basis für die Fliegerei (Segel-, Drachenfliegen), namentlich vom Rammelsberg bei Goslar aus. Der Harz bietet verschiedene Klettergebiete, wie das Okertal mit seinen Klippen, wobei dort die Adlerklippen besonders stark frequentiert sind. Weiterhin sind die Roßtrappe bei Thale und die Hohneklippen (Höllenklippe und Feuerstein bei Schierke) das Ziel von Kletterern.

Die Bergwelt des Harzes wurde schon in früheren Zeiten für ausgedehnte Wanderungen genutzt (von Johann Wolfgang von Goethe, Heinrich Heine und Hans Christian Andersen). Ein umfangreiches Wanderwegenetz wird heute insbesondere durch den Harzklub e.V. unterhalten. Darüber hinaus gibt es Fernwanderwege (Harzer Hexenstieg, Kaiserweg, Karstwanderweg, Selketalstieg, Via Romea) und als überregionales Projekt die Harzer Wandernadel mit 222 Stempelstellen; letztere wird seit 2006 als Wanderabzeichen verliehen.

Für einen Aktivurlaub wird somit viel geboten. Aber wer sich nur an der Natur, den alten Fachwerk - Städten (Goslar, Werningerode) oder am Anblick der typischen Harzer Bauweisen (viel Holz und Schiefer) der anderen Bergbaustädten in teilweise engen Tälern erfreuen möchte, für den lohnt ein Urlaub im Harz allemal. Stärken kann man sich unterwegs mit einem XXL-Windbeutel, der einem in fast allen Cafe´s angeboten wird. Oder man probiert einmal den Harzer Käse mit Schmalz, Senf und Zwiebeln und/oder eine (sehr fette) Harzer Schmorwurst.
Nur an den Wochenenden kann es auf den Straßen des Harzes schon mal recht laut werden, wenn die lederbekleideten Rambos auf Ihren schweren “Moppets” über die Serpentinen brettern und nach jeder Kurve die Motoren so richtig aufdrehen. Dann ist es mit der Idylle vorbei. Aber unter diesem Krach leiden auch andere Mittelgebirge.

© Heinz-Ulrich Hartung                         letzte Überarbeitung: 07.12.2015