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Phaselis - ein Trip in den Abendstunden

Auf unserer Fahrt von Kas nach Kemer hatten wir noch etwas Tageslicht, daher beschlossen wir, noch einen Abstecher nach Phaselis zu machen.
Als wir den Schlagbaum erreichten, mußten wir aber feststellen, daß man noch nicht auf Besucher eingestellt war (April!!). Niemand befand sich im Kassenhäuschen. Und die Schranke blieb unten. Aber da wir nun schon mal hier waren, stellte ich unser Fahrzeug an der Seite ab. Wir krabbelten unter der Absperrung hindurch und marschierten zu Fuß zu den Ruinen von Phaselis.
Wir mußten fast einen Kilometer laufen, bis wir die Reste des Aquäduktes vor uns sahen. Die Pinienwälder auf dieser Halbinsel verbargen einen besonderen Schatz. Hier fanden wir Überreste der Stadtmauern des antiken Phaselis. An seinen ehemaligen drei Häfen sahen wir sehr schöne Badeplätze. Die Ruinen der Therme, des Theaters und etlicher Häuser sowie eine breite gepflasterte Strasse zeugten von längst vergangenen Zeiten.
Der so genannte Stadthafen mit seinen mächtigen Kaimauern ist heute die beliebteste Badebucht. Von dort führt die über 20 Meter breite Prachtstraße mit den bedeutenden römischen Bauten beiderseits zum Südhafen, der durch eine Mauer geschützt ist. Auf der nordwestlichen Seite reihen sich die drei Agoren (Marktplätze) aus den Zeiten Hadrians, Domitians und der Spätantike aneinander. Dort befinden sich auch Reste der Thermen und byzantinische Ruinen. Auf der gegenüberliegenden Südostseite hatte man das Stadttheater in Hanglage errichtet. Die oberhalb gelegene Akropolis von Phaselis zeigt noch Hausreste der letzten Bewohner, die seit dem 7. Jahrhundert die Stadt aufgegeben und sich auf dem Bergrücken verschanzt hatten. Die übrigen Wohnviertel mit Strassen und Häusern sind nahezu vollständig abgetragen.
Die Stadt soll den Quellen nach um 690 v. Chr. als rhodische Kolonie gegründet worden sein. Sie gehörte ab etwa 550 v. Chr. lange Zeit dem Perserreich an – eine Stellung, die für viele kleinasiatische Griechenstädte kulturell und wirtschaftlich wichtig war. Politisch wurde dies in Athen jedoch zum Vorwand genommen, um die athenischen Aktivitäten des Attischen Seebundes als antipersisches Kampfbündnis zu tarnen. So wurde Phaselis 469 v. Chr. „zwangsbefreit“ und in den Seebund gezwungen – als blühende Handelsstadt mit hohen Tributen in strategisch wichtiger Lage ein bedeutender Zugewinn für Athen.
Nach 411 v. Chr. abermals persisch, ergab sich Phaselis 333 v. Chr. Alexander dem Großen. Während der Diadochenkriege zunächst ptolemäisch (bis 197 v. Chr.), dann seleukidisch (bis 187 v. Chr.) wurde es, obwohl Pamphylien zugehörig, unter römischer Herrschaft bis etwa 100 v. Chr. dem Lykischen Bund eingegliedert. Der starke Konkurrent Attaleia (Antalya) als Hafen- und Handelsstadt brachte Phaselis einen ersten Niedergang, der es Anfang des 1. Jahrhunderts v. Chr. gemeinsam mit Olympos zu einem Schlupfloch kilikischer Seeräuber verkommen ließ.
Unter Domitian, Trajan und Hadrian wurde die in den Seeräuberkriegen zerstörte Stadt Ende des 1. Jahrhunderts n. Chr. repräsentativ wieder aufgebaut und erlebte eine zweite Blüte. Aus dieser Zeit stammen die meisten der heute erhaltenen Ruinen. Von den späteren Einfällen der Piraten und Araber in der Mitte des 7. Jahrhunderts erholte sich Phaselis jedoch nie mehr, auch wenn es als byzantinischer Flottenstützpunkt im 8. Jahrhundert vorübergehend noch einmal wirtschaftlich aufstieg. Seit dem 10. Jh. diente es nur noch als Steinbruch für Antalya, das Material für seine Befestigungen benötigte.

Der Binnensee, der in grauer Vorzeit als fischreich galt, war inzwischen zu großen Teilen versandet und völlig mit Schilf überwuchert. Daher begleitete uns auf dem Rückmarsch auch ein munteres Froschkonzert.

 

1 Museum
2 antike Straße
3 Nekropole
4 neue Zufahrt
5 äußere Befestigung
6 Tor
7 Tempel
8 Nordhafen
9 antiker Wellenbrecher
10 Aquädukt
11 altes Stadtgebiet
12 Stadthafen
13 Hauptstraße
14 Agora des Domitian
15 antike Agora
16 Tor des Hadrian
17 Thermenanlage
18 Theater
19 Südhafen
20 Akropolis
21 Sumpf

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© Heinz-Ulrich Hartung                         letzte Überarbeitung: 07.12.2015