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Mein erster Tauchgang

Im Oktober 2007 habe ich mir endlich einen langgehegten Wunsch erfüllt. Ich war Pressluft-Tauchen!
Das hätte ich ja auch schon in Deutschland probieren können - aber da sieht man unter Wasser ja nichts! Das Meer der türkischen Südküste dagegen ist kristallklar. Und natürlich noch im Oktober herrlich warm. Wir hatten gemessene 26° an der Oberfläche.

Kurz vor Alanya befand sich die Tauchschule. Direkt am neuen Yachthafen. Von dort schipperten wir zum Burgfelsen. Auf der Fahrt dorthin bekamen wir die ersten Instruktionen.
“Jeder, der einen gesunden Kreislauf und intakte Trommelfelle hat, kann tauchen”, so die Meinung der Tauchlehrer. Also ausprobieren: Nase zuhalten und Luft in die Hörgänge pressen. Diese Prozedur kennen wir, wenn wir im oberirdischen Leben in größere Höhen kommen (Flugzeug, Bergfahrten, Seilbahnen) und auf die gleiche Art reflexartig reagieren.
Diesen Vorgang sollten wir immer dann wiederholen, wenn wir während des Abstieges Druck auf den Ohren verspüren. Auf die Art könnten wir den Druck alle paar Meter ausgleichen.
Dann wurde der Anzug angelegt, der Bleigürtel umgebunden, die Flossen angezogen, die Masken verteilt. Und vor dem Burgfelsen legten wir die Preßluftflaschen an, um kurz darauf mit einem großen Schritt ins Meer zu stürzen.
Noch schwammen wir an der Oberfläche. Erst als der Tauchlehrer an der Schwimmweste die Luft abließ, sanken wir langsam bis auf den Grund herab. Dort versammelten wir uns erst einmal, um festzustellen, ob alles i. O. ist (Zeichensprache). Ein Mitglied unserer Tauchgemeinschaft machte dabei einen Fehler. Er zeigte mit dem Daumen nach oben. Daher wurde er sofort wieder an die Wasseroberfläche gebracht. Merke: Daumen nach oben heißt: “Ich will rauf.”
Das Zeichen für O.K. ist: Daumen und Zeigefinger zu einem “O” formen - eben wie der “Autofahrergruß”.
Oberhalb der Wasseroberfläche sollte man dieses O.K. - Zeichen auf keinen Fall anwenden. In der Türkei wäre das eine schwere Beleidigung. Nämlich eine Aufforderung zu homoerotischen Praktiken.
Bei dieser Zwischenrast hatte ich das Problem, mich am Grund niederzulassen. Ich hatte einfach noch zu viel Auftrieb. Wie mir der Tauchlehrer später bestätigte, hatte ich aufgrund meiner Körpermasse zu wenig Blei dabei.
Dann ging es, dem sanft fallenden Meeresboden folgend, langsam in die Tiefe (bis auf ca. 12 Meter). Drei Mal mußte ich meine Nase zuhalten und für Druckausgleich sorgen. Total problemlos!
Wir beobachteten drei oder vier Arten kleiner, unscheinbarer Fische, die seit Jahren angefüttert wurden, damit wir wenigstens etwas Leben zu sehen bekommen. Viel war nämlich nicht zu entdecken, obwohl die Sicht unter Wasser phänomenal war. Fauna und Flora waren an dieser Küste dürftig gesät. Ich sammelte ein hübsches Schneckenhaus ein, drehte mich auf den Rücken, um das Wasser aus meiner Brille mittels Nase herauszublasen, welches langsam aber unaufhörlich durch meinen Bart sickerte. So dümpelten und paddelten wir etwa 20 bis 30 Minuten unter Wasser herum, bevor wir wieder zum Gulet zurück schwammen und das Schiff enterten. Die Zeit verging unheimlich schnell. Klar, dieses Erlebnis war ja auch für mich völlig neu und somit aufregend.
Nach dem Mittagessen absolvierten wir einen weiteren Tauchgang, der mir weitere Unterwassereinblicke bescherte.
Da das Meer herrlich klar war, eine weite Sicht zuließ und ich bereits früher geschnorchelt hatte, verlief die ganze Sache angstfrei ab. Im Gegenteil machte es mir richtig Spaß. Daher habe ich beschlossen, irgendwann den Tauchschein zu machen, um dann auch mal in Gewässer abzutauchen, die mehr für das Auge bieten. Dann aber auch mit Unterwasserfotos. Rotes Meer, ich komme!!    Vielleicht.

ps. Auffällig war, daß alle Tauchlehrer starke Raucher waren. Das hat mir, als zu der Zeit ebenfalls starker Raucher, einiges von den Zweifeln genommen, die ich in Bezug auf meine Konstitution hatte.

© Heinz-Ulrich Hartung                         letzte Überarbeitung: 07.12.2015