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Durch den Schnee im März nach Taskent

Nachdem ich bereits im Herbst eine Tour in die Berge unternommen hatte, aber nicht bis Taskent gekommen war, wollte ich die Landschaft jetzt in anderen Farben sehen.
Also buchten ich diesmal einen Pkw - einen Jeep, das wußte ich ja von der letzten Tour, brauchten wir nicht unbedingt - und steuerten den Bergen entgegen.
Es war die gleiche Strecke wie im Herbst. Über Mahmutlar langsam in die Berge klettern. Dann an den Felswänden entlang, bis zum ersten Paß. Von da durch die Hochwälder und Almen über Beskarlik und Karapinar dem Devne Cayi folgend bis zur Abzweigung nach Sariveliler. Hier wollten wir uns links halten, über den Curkuryurt-Pass zur D340. Und von dort bis nach Taskent.
Der Rückweg dann über die D340 bis Sariveliler. Von dort zur Abzweigung und danach wieder Richtung Meer.
Taskent TourSoweit die Planung, die auch weitestgehend eingehalten wurde.
Gesagt, getan. Alles klappte auch wie am Schnürchen. Sogar der Rastplatz an der Abzweigung nach Demirtas war besetzt, sodaß wir uns vor der Schleichfahrt entlang der Felsen noch mit ein paar Cay stärken konnten ( 1 Cay = 25 Kurus).
Die Fahrt entlang der steilen Felswände verlief auch ohne Probleme, jedoch hatte der Winter dem Asphalt enorm zugesetzt. Viele Schlaglöcher und Kantenabbrüche säumten den Weg. Auch etliche Steinschläge waren nur notdürftig gesichert und noch nicht restlos beseitigt. Aber wir kamen ohne Blessuren durch.
Als wir die Paßhöhe erreichten, hätten wir schon eine Schneeballschlacht veranstalten können. Schnee gab es noch genug. Aber er taute bereits, sodaß die im Herbst trockenen Bach- und Flußläufe viel Schmelzwasser führten.
Bis zur Abzweigung nach Sariveliler gab es keine weiteren Überraschungen. Außer der Tatsache, daß wir etliche kleine und große Wasserfälle bewundern konnten. Auch in der danach folgende Schlucht schäumte das Schmelzwasser. Und weiter ging es zum Curkuryurt-Pass in 1.950 m Höhe. Hier lag der Schnee so hoch, daß wir aus dem Auto heraus nicht darüber hinweg sehen konnten. Die Gegend sah jetzt völlig anders aus als im Herbst. Ich erkannte nichts wieder. Alles war weiß. So hatte ich es mir - Ende März - nicht vorgestellt. Aber auch die Türkei wurde heuer von einem langen Winter, mit vielen Niederschlägen, heimgesucht. Egal, muß ich diese Tour eben noch einmal im Frühsommer machen.
An der D340 angelangt, bogen wir nach links ab. Jetzt waren es nur noch wenige Kilometer auf einer gut ausgebauten Strasse bis Taskent. Dann sahen wir dieses Städtchen auch schon vor uns. Wie ein Schwalbennest an einem Felsen klebend. Wir durchfuhren den Ort - an einer goldenen Reiterstatue (Sultan Keykubat) vorbei - bis zum obligatorischen Atatürk-Denkmal. Hier parkte ich unser Fahrzeug und so wanderten wir durch den Ort, um ein Speisegaststätte zu finden. Wir sahen mehrere Lokantas und zwei Hotels, sowie einige Teehäuser. Gut erkennbar an den vielen jungen und alten Männern die davor hockten und in die Frühlingssonne blinzelten. Beeindruckend war, daß wir immer freundlich gegrüßt wurden.
In einer ganz einfachen Lokanta kehrten wir dann ein und genossen das typisch türkische Essen. Inkl. Cay und Wasser betrug die Rechnung für vier Personen 24 Lira. Und der Preis war sicherlich ein Touristenpreis.
Gut gestärkt durchwanderten wir den Ort. Bestaunten die in unseren Augen primitiven Gebäude mit den “offenen” Balkonen und freuten uns darüber, daß wir doch herrliche Wohnungen unser eigen nennen konnten. Selbst im Sommer hätten wir hier nicht hausen mögen. Geschweige denn im Winter.
Gegenüber dem Ort sahen wir einen hohen Fels aufragen, der augenscheinlich zu einem Aussichtspunkt ausgebaut war. Den wollten wir jetzt auch noch besuchen. Denn von dort gab es bestimmt einen herrlichen Blick auf Taskent. Also ab zum Pkw und eine Auffahrt gesucht.
Es gab einen Weg. Aber eben nur einen Weg. Kaum befestigt, weich vom Schmelzwasser und teilweise noch mit einer lockeren Schneedecke versehen. Aber wie Touristen eben sind: Es muß sein! Und wie. Aber es klappte. Hin und mit Bangen auch wieder zurück. Und es hatte sich wirklich gelohnt!

Panoramabild Taskent
Wieder zurück auf der D340 strebten wir Sariveliler entgegen. Nicht ohne ab und zu anzuhalten, um über meterhohem Schnee hinweg ein paar eindrucksvolle Bilder zu schießen. Wie schon einmal erwähnt, erkannte ich fast nichts von dem wieder, was ich im Herbst entdeckt hatte. Und kürzere Fußmärsche zu den schönsten Grotten, Höhlen und Behausungen - wie ich es mir vorher vorgenommen hatte - konnte ich mir schenken. Der Schnee lag einfach zu hoch. Also, wie schon mal notiert - Frühsommer!
Der Rückweg gestaltete sich auch reibungslos (bis auf die vielen Schlaglöcher). Daher bogen wir an der Felswand-Strasse auf einen mir bekannten Schotterweg ab, um auf dem direkten Weg zum Dim Cayi zu gelangen. Wollten wir doch den Stausee noch einmal bewundern, bevor er wieder ganz leer läuft.
Unten, am Ende der Talsperre angekommen, wußte ich nicht weiter. Keine Straße war mehr so, wie ich es kannte. Fast wäre ich in Richtung Alacami abgebogen. Aber Allah sei Dank kam gerade rechtzeitig ein Pkw, dessen Fahrer ich nach dem rechten Weg fragen konnte.
Somit erfuhr ich, daß der Weg (noch nicht geteert) auf der linken Dim-Seite fertiggestellt war und es z. Z. noch keine andere passable Möglichkeit gab von hier nach Alanya zu kommen. Somit war die noch zu bewältigende Strecke kürzer als erwartet.
Mehr Bilder und den Reiseberichte zu dieser Gegend findest du unter Taskent im Oktober und Ermenek im Juni. Dann siehst du diese Gegend in völlig anderen Farben.

© Heinz-Ulrich Hartung                         letzte Überarbeitung: 07.12.2015