Bisher

Erstbesucher

Durch die Berge nach Taskent

Schon mehrfach waren wir in den Bergen allein unterwegs und konnten daher abschätzen, welche Tagesleistung wir schaffen würden, wenn wir pünktlich losfuhren. Daher brüteten wir schon in Deutschland über diversem Kartenmaterial eine neue Route durch das Taurusgebirge aus. Bei dem Studium der im Handel erhältlichen Strassenkarten stellte ich fest, daß die ADAC-Karte (1:750.000) noch die wenigsten Fehler aufwies. Mit der Shell Eurokarte von Marco Polo (auch 1:750.000) wären wir nicht ans Ziel gekommen, wie wir schon mehrfach feststellen konnten.
In diesem Zusammenhang bitte ich die Besucher dieser Homepage, mich unbedingt über gute, ziemlich fehlerfreie Strassenkarten der Türkei zu informieren. Ich suche Strassenkarten mit besserem Maßstab, auf der auch kleinere Strassen und Wege - ggf. auch nur Jeeptauglich - eingezeichnet sind.
Inzwischen habe ich von türkischen Bekannten einen “Atlas” bekommen. 1:250.000, sehr detailliert, viele Straßen und Wege (sogar Eselspfade), und fast fehlerlos.
Taskent Tour

An der Küstenstrasse D400 bei Mahmutlar wies das Strassenschild nach Taskent. Dieser Strasse, welche wir bereits bei unserer letzten Tour heruntergekommen waren, folgend, kletterte unser Jeep in die Berge. Wir bestaunten noch einmal das in guter Sichtweise gelegene Areal des Super-Hotels “Goldcity”.
Noch hatte die Landschaft Mittelgebirgscharakter. Breite, bewirtschaftete Täler, bewaldete Höhen. Aber die ersten felsigen Gipfel zeigten sich am Horizont. An der Abzweigung nach Demirtas, an der wir im Frühjahr eine Pause bei Gözleme und Cay gemacht hatten (siehe Tour nach Alacami) gab es immer noch die “Raststätte”. Allerdings waren nur die beiden Kinder anwesend, sodaß wir diesmal auf keinen Imbiß hoffen konnten. Und weiter ging es, jetzt schon oft am Fels klebend, der schmalen Strasse folgend, immer höher hinauf. Wir passierten den Schotterweg, den wir bei unserer letzten Tour (Dim Cayi und Alacami) heraufgekommen waren und hielten kurz darauf an einem “Parkplatz” an, um die Aussicht zu genießen und die Strasse sowie die enge Schlucht nach Alacami zu entdecken.
Noch bevor wir das weit unter uns liegende Tal über einen Bergsattel in gut 1.000 Meter Höhe verließen, stießen wir doch noch auf einen Rastplatz. Hier konnten wir endlich unser zweites Frühstück inform von Gözleme und Cay einnehmen. Die Rechnung war wirklich nicht der Rede wert.
Auf der anderen Seite des Berges erwartete uns Hochwald und Almen, welche aber bald wieder dem Fels Platz machte. Wir passierten die Ortschaften Beskarlik und Karapinar, immer dem Gevne Cayi folgend. Die Gegend hatte jetzt Hochgebirgscharakter. Hochalmen, Nadelwälder und nackter Fels wechselten sich ständig ab. Etliche, typische Rast- und Grillplätze säumten die Strasse. Jetzt allerdings ungenutzt, da die Ferien in der Türkei bereits vorbei waren.
An einer Brücke wies die Hauptstrasse rechts nach Sariveliler. Wir fuhren aber weiter geradeaus. Laut Karte eine Nebenstrecke nach Taskent. Und es sollte sich lohnen! Denn bereits nach wenigen Kilometern konnten wir eine grandiose Schlucht bewundern, die der Fluß in den Fels gegraben hatte. Wirklich sehenswert! Beeindruckend auch das Farbenspiel an den folgenden Felswänden. Glattgeschliffene hell- und dunkelgraue, aber auch ockerfarbene Flächen zeugten von den im Winter und Frühjahr herabstürzenden Wassermassen.
An der Bezirksgrenze Antalya - Konya überquerten wir den Gevne cayi und allmählich kletterte unser Jeep die gut ausgebaute Strasse weiter in die Höhe. Wir fuhren an Camici vorbei und überwanden völlig unspektakulär den Curkuryurt-Pass in 1.950 m Höhe. Die Landschaft hatte sich völlig gewandelt. Rote Farben überwogen hier. Rot die nackten, steinübersäten, bewirtschafteten Äcker und gelb die verdorrten Wiesen und Weiden. Trocken auch die Bachläufe. Ab und zu ein einsamer Bauernhof. Aber dann auch wieder eine saftig grüne Fläche entlang eines wieder an der Oberfläche fließenden Baches.
Schließlich erreichten wir die D340 (Konya - Mersin). Nur kurz überlegten wir, ob wir die etwa 13 km bis Taskent fahren oder den direkten Weg zurück nehmen sollten. In die Überlegung ließen wir eine erneute Tour im Frühjahr einfließen. Und da wir nicht sicher waren, was uns auf der Rückfahrt noch erwarten würde, bogen wir rechts nach Mersin ab.
Die D340 war vorzüglich zu befahren, keine starken Kurven behinderten auf dieser Hochebene eine zügige Fahrt. Die Orte Adiller und Aney Yer umfuhren wir, passierten die Abzweigung nach Basyayla und überquerten den Karahasan- Pass in 1.750 Meter Höhe.
Aber dann mußten wir doch noch einmal anhalten, weil die Landschaft, bzw. die Felsformationen beeindruckend waren. Ausgehöhlt, viele dieser Höhlen mit Bruchsteinen notdürftig verschlossen und teilweise sogar noch bewohnt, hatte diese Gegend entfernte Ähnlichkeit mit Kappadokien. Einige dieser “Sommeresidenzen”? waren angeordnet wie Schwalbennester. Schwarz eingefärbter Fels zeugte von offenen Feuerstellen. Im Tal, entlang eines fast trockenen Flusses, sahen wir verfallene, aber auch anscheinend neue, noch nicht fertig gestellte Bruchsteinhäuser. Die Felder im engen Tal waren mit Steinmauern eingefaßt. Mich würde es nicht wundern, wenn hier im Frühjahr Reis angebaut werden würde.
Es waren nur noch ein paar Kilometer bis zur Abzweigung nach Sariveliler (4.800 Einwohner). Beeindruckend auch an diesem Ort der Kontrast zwischen den modernen Neubauten und den alten, fast baufälligen Häusern. Für uns unvorstellbar, wie in den äußerst kalten Wintern dieser Höhenlagen die primitiven Gebäude wohnlich gestaltet werden können.
Wir durchfuhren den Ort und durchquerten Civler und Civandere, sahen wieder sanfte, grüne, bewirtschaftete Berghänge mit bewaldeten Kuppen. Langsam aber stetig verließen wir die Höhenlage von über 1.500 Meter und hielten nur noch einmal an, weil wir hofften, an einem wohl privaten Rastplatz einen Imbiß zu bekommen. Leider war das noch nicht ganz fertig gestellte Ausflugsziel nicht mehr bewirtschaftet. Aber der kleine Forellenteich deutete an, welcher Gaumenschmaus uns in der Saison (dreimonatige türkische Ferien) hier erwartet hätte.
Nach Überquerung des Gevne Cayi befanden wir uns wieder auf der Strasse nach Alanya, resp. Mahmutlar und freuten uns schon auf die beeindruckende Fahrt entlang der steilen Felshänge. Und als wir den Bergsattel überquerten, bot sich uns ein tolles Bild. Dicke Wolken, die den Eindruck vermittelten als wäre im Tal ein großes Feuer ausgebrochen, drückten von See her kommend die Felswand empor. Gott sei Dank blieben die Wolken unterhalb der Strasse. Wir hätten sonst keine Hand vor den Augen sehen können.
Diese tolle, ca. 260 km lange Tour, die uns mit der Vielfältigkeit der Landschaften beeindruckt hatte, werden wir noch einmal unternehmen. Ganz sicher im nächsten Frühjahr. Denn die Landschaft über 1.900 Meter wird dann bestimmt völlig anders aussehen. Wir erwarten dann viel Grün, gefüllte Bach- und Flußläufe und eine total veränderte Natur. Und ganz sicher fahren wir dann auch bis Taskent in einem bequemen Pkw. Denn ein Jeep war und ist für diese Tour nicht unbedingt notwendig.
Für Nachahmer möchte ich empfehlen, für den Erwerb von Getränken, Zigaretten und Verpflegung Lira mitzunehmen. Der Einkauf in den kleinen und größeren Orten außerhalb der Feriengebiete erfordert die Mitnahme von Lira und ist erheblich preiswerter, als an der Küste. Übrigens gilt dies auch für Kleidung! Eine Verständigung per Zeichensprache ist durchaus üblich und oft findet sich auch ein deutsch sprechender Passant.

Die gleiche Tour - allerdings bis Taskent - haben wir Ende März unternommen. Und im Juni sind wir noch einmal (über Ermenek) durch diese Gegend gefahren. Es waren jedesmal andere Landschaften in anderen Farben.

© Heinz-Ulrich Hartung                         letzte Überarbeitung: 07.12.2015