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Troy - das Troja von Heinrich Schliemann

Wer an den Dardanellen urlaubt oder zumindest im Bereich Ayvalik, der muß einfach Troja ansteuern. Immerhin sind es nur ein paar Minuten von Cannakale mit dem Auto. Von der D550 biegt eine kleine Teerstrasse nach Tevfikiye ab. An deren Ortsausgang muß an einem Kassenhaus 15 TL pro Person bezahlt werden. Die Gebühren beinhalteten die Nutzung der Zufahrtstrasse von Tevfikiye nach Troja, die dortige Parkgebühr sowie den Eintritt in das Ausgrabungsgelände. Die mit Code versehenen Eintrittskarten verlieren nach der Benutzung an den Drehkreuzen automatisch ihre Funktion als Türöffner. Wer also noch einmal zum Fahrzeug zurück will, kommt danach nicht mehr aufs Gelände. Oder er meldet sich vorher bei einem der Parkwächter und macht dem klar – wie ich es tun mußte – daß die Batterien der Kamera leer sind und nur Nachschub aus dem Wagen geholt werden muß.
Unser erster Weg führte selbstverständlich zum hölzernen Pferd. Meine Begleitung mußte es sogleich besteigen. Frauen und Pferde – eine Geschichte für sich! Danach besichtigten wir die Info - Ausstellung in dem kleinen Häuschen dahinter. Dann waren die Batterien meiner Kamera leer. Abhilfe: siehe oben.
Als ich wieder vor der phantasievollen Nachbildung des Trojanischen Pferdes stand, folgten wir den Hinweisschildern des sehr gut angelegten Rundwanderweges. Begleitet von herrlichem Sonnenschein.
Heinrich Schliemann,An vielen Stellen führte der Pfad über extra errichtete Holzbohlenwege, damit die Besucher nicht noch auszugrabende Artefakte zertreten. Außerdem waren viele Bereiche durch Absperrungen gegen umhertrampelnde Vandalen gesichert. Die wichtigsten Ausgrabungsfunde waren mit ausführlichen, mehrsprachigen Beschreibungen versehen. Was siehst du - welche Epoche - welche Bedeutung.
Bereits seit mehr als 100 Jahren graben sich überwiegend deutsche Archäologen hier durch den Schutt. Doch die bisher spektakulärsten Funde wurden außer Landes geschafft (z. B. Schliemann 1873 seinen „Schatz des Priamos“).
Inzwischen weiß man, daß Troja bis 500 n. Chr. insgesamt neunmal zerstört und wieder aufgebaut wurde. Und wenn man auf einem der Ausgrabungshügel steht und ins weite Land schaut, wird man kaum glauben, daß Troja I einst am Ufer eines Seitenarms der Dardanellen lag. Denn vom Meer ist nichts mehr zu entdecken. Und wer einmal über die Hügel gewandert ist, der muß erkennen, daß die Ausgrabungen niemals eine komplette Rekonstruktion von angeblichen Troja erlauben können, wie es bei anderen versunkenen Städten teilweise erfolgreich gelungen ist. Die mehrfach zerstörte Stadt wurde immer wieder auf und mit den Trümmern der vorangegangenen Epoche errichtet. Daher wird man nur versuchen, Teilbereiche der verschiedenen Trojen zu erkennen, dann zu rekonstruieren und für das interessierte Publikum erkennbar zu gestalten. Aber das wird noch lange dauern. Zumindest ist das, was bisher zu erkennen ist, schon beeindruckend genug.
Wir haben nicht auf die Uhr geschaut bei unserem Rundgang, so spannend war es. Aber die Sonne hatte ihren Zenit bereits überschritten, als wir wieder die Straße nach Canakkale unter die Räder nahmen.

Im Nordwesten der Türkei liegt die Stadt Troja, die jedem aus der Dichtung Ilias von Homer bekannt sein dürfte im Bezug auf die Kriegslist mit dem hölzernen Pferd. In der Antike kontrollierte die Stadt an den Dardanellen den Zugang zum Schwarzen Meer, was Troja großen Reichtum brachte, denn jeder mußte Wegezoll bezahlen auf seinem Weg zum Schwarzen Meer. Mit dem Beginn des Mittelalters verlor die Stadt jedoch an Bedeutung.
Ob die Stadt nun aber wirklich Schauplatz des von Homer beschriebenen Trojanischen Krieges war, ist aufgrund der Ausgrabungsergebnisse der letzten Jahre bei den Experten inzwischen umstritten, zumal der Ort bei Homer Ilion oder Ilios genannt wurde. Andere Experten sind wiederum der Meinung, daß Troja identisch ist mit der in hethitischen Quellen als Wilusa (= (W)Ilios) bezeichnet Stadt, denn es wurde in den Siedlungsschichten auch eine unterirdische Quellen-Anlage gefunden. Deren Aussehen ist dabei in allen Einzelheiten mit der Beschreibung einer Quelle in der Stadt Wilusa identisch, die im sogenannten Alaksandu-Vertrag erwähnt ist.
Die Ausgrabungsstätte wurde 1998 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt, wobei schon 1868 der deutsche Hobbyarchäologe Heinrich Schliemann in die Ebene der Troas kam, um nach dem Sagen umwogenen Stadt Troja zu suchen. Was Schliemann fand, war der so genannte Schatz des Priamos, ein Goldschatz - noch lange Zeit danach aufbewahrt im Antikmuseum von Berlin, bis er nach dem Zweiten Weltkrieg als Beutekunst in die damalige UdSSR gebracht wurde. Die Funde ergaben, daß Troja schon in der frühen Bronzezeit - also 5000 v. Chr. bis eben in die Spätantike besiedelt gewesen sein mußte, weil ein schweres Erdbeben die Stadt gegen Endes des 5. Jahrhunderts zerstörte. 1988 wurden die Ausgrabungen erneut aufgenommen. Die Auswertungen der Forschungen und Ausgrabungen dauern dabei bis heute an. Es wurden dabei bis heute 10 Siedlungsschichten entdeckt.
(aus Türkei-Lexikon)

© Heinz-Ulrich Hartung                         letzte Überarbeitung: 07.12.2015